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Artikel | saldo 16/2003

Tinte teurer als Champagner

Mit dreisten Methoden sichern sich Druckerhersteller fette Gewinne auf Original-Tintenpatronen. Die Käufer haben das Nachsehen.

Derzeit ist der günstigste Tintenstrahldrucker bei Mediamarkt für 49 Franken zu haben - ein Epson Stylus C 44. Die Hersteller solcher Billigware verdienen ihr Geld mit dem teuren Unterhalt der vermeintlich günstigen Geräte. So kostet das einmalige Auswechseln der originalen Farb- und Schwarzpatronen Fr. 69.80. Damit ist eine Flasche Epson-Tinte sechsmal teurer als der derzeit edelste Champagner Dom Pérignon bei Globus (379 Franken).


Wer Patronen selber nachfüllt, zahlt nur knapp 5 Franken

«Druckertinte kostet höchstens 10 Prozent des effektiven Verkaufspreises. Die Anbieter sichern sich so ihre Gewinne», sagt Thomas Ottiger, Geschäftsführer von Arc-Swiss. Der Schweizer Branchenleader verkauft günstige Nachfüllsets für den Heimgebrauch und steht in ständigem Kampf mit den Herstellern. Kein Wunder: Wer selber mit Farbdose und Spritze operiert, zahlt für eine Füllung gerade mal knapp 5 Franken (siehe Kasten).

Doch Hersteller wie Hewlett Packard (HP) oder Lexmark haben vorgesorgt: Ihre Originalpatronen können nur sechsmal nachgefüllt werden - danach ist der integrierte Druckkopf verschlissen. Jedes Jahr landen in der Schweiz mindestens drei Millionen Farbpatronen im Müll. Ein weiterer Trick von HP, um das Nachfüllen zu verhindern: Der grösste Teil seiner Patronen ist mit der falschen Farbreihenfolge beschriftet. So spritzen Heimanwender Blau statt Rot in den Farbtank und müssen anschliessend die Patrone wegwerfen.

Lexmark geht sogar noch weiter: Laut übereinstim-mender Aussagen von Verkäufern und der Konkurrenz sorgt die Firma dafür, dass Neugeräten schnell der Schnauf ausgeht. Die Billigdrucker enthalten nur Kleinstmengen an Tinte. Lexmark-Produktmanager Markus Horlemann: «Die Patronen unserer neuen Drucker sind nicht halb leer. Es gibt einfach unterschiedliche Füllmengen, je nach Druckertyp.» Mit anderen Worten: In günstigen Printern werden die kleinsten handelsüblichen Patronen eingesetzt.


Epson: Mikrochip stoppt den Drucker vorzeitig

Epson wiederum schützt seine Auffüllbehälter mit über 150 Patenten gegen Nachahmer. Zudem: Seit zwei Jahren baut das Unternehmen in seine Patronen einen Mikrochip ein, der die Tintenstrahldrucker stoppt, noch bevor die Patrone leer ist. In einem Test gelang es der englischen Konsumentenzeitschrift «Which», mit einem Chip-Aufladegerät dieses System zu überlisten und bis 38 Prozent zusätzliche Blätter derselben Qualität zu drucken - obwohl die Patrone angeblich leer war.


Alternativprodukte schaden den Geräten nicht

Branchenriese Epson setzt solche Chips in allen neuen Patronen ein, auch in der Schweiz. Von saldo mit dieser Irreführung der Konsumenten konfrontiert, windet sich Epson-Produktmanager Ottmar Korbmacher: «Wir wollen auf der sicheren Seite sein, denn je nach Klima in Grönland oder Saudi-Arabien dehnt sich die Tinte aus oder zieht sich zusammen. Mit diesem Chip können wir immer eine Mindestanzahl Ausdrucke garantieren.»

Geht es nach der EU-Kommission, soll aber mit solchen Praktiken bald Schluss sein. Ab 2006 sollen nur noch Drucker mit Patronen in den Handel gelangen, die ohne Probleme nachgefüllt werden können. Bislang wehrt sich die Branche mit dem Argument, dass die Langlebigkeit der Geräte und ein optimales Druckresultat nur mit Originaltinte zu erreichen seien.

Solche Einwände lässt das Fachmagazin «PCtip» nicht gelten: «Die Gefahr, mit Alternativprodukten den Drucker zu beschädigen, ist minim.»



So drucken Sie günstiger

- Nachgebaute Patronen: Sie sind bis 70 Prozent billiger. Im Internet gibt es zahlreiche Schweizer Anbieter, darunter www.pearl.ch, www.amra-allink.ch oder www.tintenshop.ch.
- Nachgefüllte Originalpatronen: Sie kosten in Fachmärkten und Papeterien bis zu 50 Prozent weniger. Pelikan vergütet gegen 6 Franken für jede leere Originalpatrone (keine Epson). Infos: Pelikan Hardcopy Recycling Center, Egg ZH (Tel. 01 986 13 25).
- Nachfüllsets für Patronen: Dies ist die billigste Variante - bis 75 Prozent Ersparnis. Mit der mitge-lieferten Spritze wird die Patrone gefüllt. Einer der grössten Internet-Anbieter ist www.arc-swiss.com. Achtung: Für Epson-Drucker ist ein Chip-Aufladegerät nötig, das an die leere Patrone angesteckt wird. Es gibt auch diverse Versandangebote, zu finden in Internet-Suchmaschinen unter dem Stichwort «chip resetter».

08. Oktober 2003 | Marc Meschenmoser


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