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Manchmal gehe ich auf meinem Weg zur Arbeit über den Markt. Dort fiel mir letzthin eine Frau auf, die aus der Märchenwelt zu kommen schien. Sie war etwa 70 Jahre alt, trug eine blitzsaubere Schürze und auf ihrem weissen Haar sass ein Häubchen. Aus ihren Augen strahlte Güte, die rosaroten Bäckchen mochten aus Marzipan sein und die Hände waren so weich, als wären sie allein zum Backen von süssem Naschwerk geschaffen.
Auf einem Tischchen vor ihr präsentierten sich winzige Gugelhupfs, Mandelgipfel und Makronen - so klein und niedlich, als wären sie für die sieben Zwerge gedacht. «Selbst gemacht», sagte die Fee zu mir gewandt. Und schon zappelte ich an ihrer Angel.
Unverschämte Fr. 13.50 kosteten drei winzige, alte und staubtrockene Mandelgipfel. Ausgerechnet ich, ein Konsumentenprofi von saldo, bin auf eine Mogelpackung hereingefallen: Die freundliche Frau, die aussah wie Rotkäppchens leibhaftige Grossmutter, hatte vom Backen keinen Schimmer - dafür waren ihre zarten Hände bestens dazu geeignet, leichtgläubigen Konsumenten das Fell über die Ohren zu ziehen.
Für einmal will ich ein Auge zudrücken. Sollte es die märchenhafte Dame aber nochmals wagen, mir einen verstaubten Gipfel anzudrehen, wird sie mich von meiner Märchenseite her kennen lernen: nämlich als grossen, bösen Wolf!
Hans Ruedi Schmid - saldo-Rechtsberater
22. September 2003
