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Artikel | Gesundheits-Tipp 5/2003

Riskante Pneuschaukeln

Pneuschaukeln sind beliebt. Doch Kinder hängen nur an einem einzelnen Holzbalken. Dieser kann brechen - wie in Rüti ZH.

Plötzlich ein lauter Knall. Holz knirschte. Das Kinderlachen verstummte sofort an jenem Frühlingstag vor drei Jahren in der Siedlung «Im Gubel» in Rüti ZH. Drei Kinder lagen am Boden, daneben ein Pneureifen, auf dem sie kurz zuvor noch hin und her geschaukelt waren.

Der Tragbalken der Schaukel war gebrochen, der Pneu mit den Kindern zu Boden gedonnert. «Es war purer Zufall, dass der schwere Tragbalken keines der Kinder erschlug», sagt der Anwohner und Familienvater Peter Feucht, der wenig später vor Ort war und den Holzbruch fotografierte.

Solche Pneuschaukeln sind verbreitet. Peter Feucht befürchtete deshalb, dass es auch andernorts zu Unfällen kommen könnte - und liess die Konstruktionsunterlagen von einem Spezialisten der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) untersuchen.

Resultat: Die statische Berechnung des Tragbalkens war teilweise fehlerhaft, der Balken damit nicht stabil genug für die enormen Kräfte, die wirken. Zu diesem Schluss kam Empa-Ingenieur und Holzspezialist René Steiger. Laut Steiger hat der Hersteller in den Balken gebohrte Löcher bei der Berechnung nicht berücksichtigt. «Je mehr Löcher im Holz sind, desto dicker muss es sein, damit es nicht bricht.»


Die Herstellerfirma verwendet heute stärkeres Holz

Mehr noch: Ein Befestigungsbolzen und Schrauben zerstörten das Holz. Dort sammelte sich Wasser an und drang in den Stamm ein, der von innen her verfaulte. Die Herstellerfirma Bürli Spiel- und Sportgeräte AG in Sursee räumt heute Fehler ein. «Wir verwenden mittlerweile stärkeres Holz. Sicherheit war immer unsere Devise», sagt Firmenchef Hugo Bürli. «Ausserdem kann dank einer Abdeckung kein Wasser mehr eindringen, und die Befestigung ist durch zusätzliche Stahlelemente sicherer geworden.» Das Gerät sei zwölf Jahre alt gewesen. Einen Rückruf alter Geräte hat die Firma aber nicht gestartet.
Dem Puls-Tipp liegen die Prospekte von über einem Dutzend Hersteller vor, die Pneuschaukeln anbieten. «Tragfähigkeit mit Lastwagenpneu bis zu 10 Kindern!», schreibt zum Beispiel die Firma Rüegg Spielplatzgeräte in Oberweningen ZH. Doch selbst Mitinhaber Kurt Romann hat beobachtet, dass sich der Tragbalken «schon mal biegt, bei den Kräften, die da wirken».

Hersteller empfehlen deshalb, die Zahl der Kinder zu begrenzen. Aber welche Kinderschar hält sich schon an solche Regeln? Und welche Eltern spielen gerne Polizist? «Ein Spielgerät muss sicher sein, ohne dass man ständig hinschaut», hält Familienvater Peter Feucht fest. Empa-Ingenieur René Steiger empfiehlt, den Zustand der Geräte regelmässig zu prüfen (siehe Kasten).

Konsequent ist die Firma Fuchs in Thun: Sie verzichtet gänzlich auf den Verkauf von Ein-Mast-Geräten. «Zu gefährlich, davon muss man wegkommen», konstatiert Geschäftsführer Daniel Fuchs. Es sei nur schwer abzuschätzen, wann der Balken breche.



Auf den Unterhalt kommts an

- Kontrollieren Sie regelmässig den Zustand von Holz, Ketten, Seilen und anderen Bauteilen.

- Fordern Sie vom Hersteller einen Unterhaltsbeschrieb.

- Bei Verdacht auf Fäulnis: Prüfen Sie das Holz mit einer Ahle. Gesundes Holz ist hart.

- Schlagen Sie dagegen: Tönt es hohl, sofort Holz auswechseln!

- Informieren Sie sich, ob das Gerät gemäss geltenden Normen konstruiert und geprüft ist.

- Wenden Sie sich bei Fragen an die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Die Beratung ist kostenlos. Adresse: Laupenstr. 11, Postfach, 3001 Bern. Tel. 031 390 22 22. Internet: www.bfu.ch.

14. Mai 2003 | Thomas Grether - thgrether@pulstipp.ch


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