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Der Ärger war gewaltig. Erik B. hat sich Mitte März von seiner Bank eine 5-Jahres-Festhypothek offerieren lassen. Doch dann ging er in die Ferien und verschob den Entscheid. Ende März kam dann das böse Erwachen. Seine Bank verlangte für dieselbe Hypothek plötzlich 0,6 Prozent Zins mehr.
Sein Zögern kostet Erik B. nun jährlich 3000 Franken zusätzlich. So viel betragen die Mehrkosten für seinen 500 000-fränkigen Hypothekarkredit. An der Kalkulation der Bank war nicht zu rütteln, denn ab Mitte März sind die Zinsen auf dem Kapitalmarkt tatsächlich stark gestiegen.
Mit dieser Entwicklung hat Erik B. überhaupt nicht gerechnet. Schliesslich hatte die Schweizerische Nationalbank den Leitzins am 6. März noch um 0,5 Prozent gesenkt. Nur noch 0,25 Prozent sollten 3-Monats-Gelder die Banken derzeit kosten - dieses neue Zinsziel hatte sich die Notenbank gesteckt.
Zinsanstieg für mittel- und langfristige Gelder
Damit befinden sich die Zinsen auf einem Rekordtief. Seit 1838 hat die Schweiz noch nie tiefere Leitzinsen erlebt. Doch nur acht Tage nach der Zinssenkung kam es - wenigstens vorläufig - zur Trendwende.
Mitte März - kurz vor dem Beginn des Irak-Kriegs - begannen nicht bloss die Börsenkurse zu steigen und die Öl- sowie Goldpreise zu sinken. Gleichzeitig wurden mittel- und längerfristige Gelder spürbar teurer. Die Zinsen der kurzfristigen 3- oder 6-Monats-Gelder dagegen blieben weiterhin extrem günstig. Die Entwicklung lässt den Schluss zu, dass die Märkte damit rechnen, dass die Wirtschaft sich in eineinhalb bis zwei Jahren deutlich erholt. Die nächsten Monate werden aber offenbar noch immer pessimistisch beurteilt.
Werden die Zinsen in nächster Zeit weiter steigen, oder könnten sie demnächst sogar wieder sinken? Wahrscheinlich ist, dass die Notenbanken der Industriestaaten die Zinsen erst wieder anzuheben beginnen, wenn die wirtschaftliche Erholung 100-prozentig sicher ist. Und diese kann durchaus auf sich warten lassen.
In nächster Zeit macht es für viele Hausbesitzer Sinn, sich die noch immer günstigen Hypozinsen mit dem Abschluss von Festhypotheken für einige Jahre zu sichern.
Wer mit einer Liborhypothek finanziert ist, zahlt nach wie vor am wenigsten Zins. Der Vorteil ist gegenwärtig so gross, dass Aussteigen sich deshalb für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre nicht lohnt. Seit Anfang Jahr hat sich der Zinsunterschied zwischen den Liborhypotheken und anderen Immobilien-Finanzierungen sogar weiter vergrössert.
Bei variablen Hypotheken gilt: Aussteigen
Wer noch immer durch eine variable Hypothek finanziert ist, zahlt schon lange zu viel Zins. Drin bleiben ist auch in Zukunft eine teure Lösung. Die variablen Hypotheken werden im Falle eines nachhaltigen Zinsanstieges nämlich wieder teurer werden.
Mit Festhypotheken kann man dagegen noch für mehrere Jahre von den heutigen Konditionen profitieren. Festhypotheken sind derzeit auch die richtige Wahl, wenn bestehende Hypothekarverträge auslaufen und ersetzt werden müssen.
Ob man sein Eigenheim mit Libor- oder mit konventionellen Festhypotheken finanziert: Den Hypothekarkredit sollten Eigenheimbesitzer in zwei oder drei Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufteilen. Damit kann man verhindern, dass später die ganze Hypothek zum gleichen Zeitpunkt - unter möglicherweise sehr ungünstigen Zinsbedingungen - refinanziert werden muss.
Libor-Hypos
Kredite ab 1,5 Prozent Zins
Liborhypotheken waren seit Mitte der 90er-Jahre die weitaus günstigste Hausfinanzierung. Ende März 2003 kostete eine Libor blanco rund 1,5 Prozent Zins. Liborhypotheken mit Zins-Absicherung waren zum Beispiel bei der ZKB bereits ab 1,545 Prozent Zins zu haben.
Vorteilhaft sind Liborhypotheken, falls die Zinsen weiter sinken, gleich bleiben oder nur schwach steigen. Falls die Zinsen in nächster Zeit jedoch stark steigen sollten, sind Festhypotheken die günstigere Wahl.
Zinsvergleiche von Libor- und anderen Spezialhypotheken gibts unter www.vzonline.ch
02. April 2003 | Meinrad Ballmer
