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Artikel | saldo 4/2003

Preise hart an der Schmerzgrenze


Schweizer Patienten sind arm dran: Sie müssen für Medikamente viel zu tief in die Tasche greifen.

Von Basel über die französische Grenze ins Zentrum von St-Louis sind es gerade mal fünf Kilometer. So klein die Distanz, so gross die Preisdifferenzen - jedenfalls, wenn es um Medikamente geht. Ein Asthma-Patient, der in Basel eine 120er-Packung Axotide kauft, zahlt rund 140 Franken - in St-Louis kostet die gleiche Packung nicht einmal 19 Franken.

Im Auftrag der Krankenkasse Swica hat das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie die 70 umsatzstärksten rezeptpflichtigen Medikamente eruiert und die Preise (ohne Mehrwertsteuer) mit jenen der Nachbarländer verglichen. Resultat: Im Durchschnitt sind diese Arzneimittel in Österreich und in Italien um 18 respektive 21,5 Prozent günstiger - in Frankreich sogar um 28 Prozent. Und auch in Deutschland kosten die Medikamente 8,5 Prozent weniger als in der Schweiz.


Preisüberwacher verlangt seit langem Parallelimporte

Kein Verständnis für solche Differenzen hat der Zürcher Gesundheitsökonom Willy Oggier: «Unsere Parlamentarier reden bei jeder Gelegenheit von Wettbewerb - doch wenn die Schweizer Pharmaindustrie betroffen ist, wollen sie ihn um keinen Preis zulassen.»

Harsche Kritik gibts auch von der obersten Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga: «Solche Unterschiede sind eine Sauerei. Da appellieren die Gesundheitspolitiker dauernd ans Kostenbewusstsein der Krankenkassenpatienten - doch die dafür nötige Basis schaffen sie nicht.»

Die Wettbewerbskommission und Preisüberwacher Werner Marti kritisieren seit Jahren das überhöhte Preisniveau bei Medikamenten und verlangen endlich die Zulassung von Parallelimporten. Marti: «Die bestehende Abschottung des Binnenmarkts Schweiz erlaubt den Unternehmen überhöhte Preise ohne Markteinbussen aufrechtzuerhalten.»

Immerhin: Bei neu eingeführten kassenpflichtigen Medikamenten üperprüft jetzt das Bundesamt für Sozialversicherung nach zwei Jahren die Preise. Kosten die Arzneien mehr als im Durchschnitt gewisser europäischer Länder, werden die Preise neu verhandelt. Peter Marbet vom Krankenkassenverband Santésuisse: «Nun nimmt der Druck auf die Pharmakonzerne langsam zu.»

ro

05. März 2003


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