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Artikel | saldo 3/2003

Hartnäckige E-Mail-Werbung

Für die Mailbox gibts keine Stopp-Werbung-Kleber. Entnervt schlagen sich darum Hunderttausende mit Werbe-Mails, den so genannten Spams, herum.

Bitte nimm Kontakt mit mir auf! Ich heisse Monique und bin so einsam.» Urs Marti aus Cham ZG erschrickt zuerst einmal, als er das E-Mail liest. Neugierig klickt er den Link «Kontakt» an, landet aber auf einer kostenpflichtigen Sexseite. Seither wird Marti die liebesbedürftigen Frauen auf dem Computer nicht mehr los.

Urs Marti wird von Spams bombardiert. Da sich die Absender dieser unerwünschten Werbe-Mails hinter falschen Internet-Adressen verstecken, richtet sich die Wut verärgerter Kunden gegen die Provider. Bei Bluewin, grösstem Anbieter der Schweiz, beschweren sich täglich 500 bis 600 Personen. Charles d'Heureuse, Chief Technology Officer bei Bluewin: «Die Zahl von Spams wächst explosionsartig - in einem Jahr hat sie sich verdoppelt, sodass diese heute bereits 40 Prozent aller Mails ausmachen.»


Lukratives Geschäft mit gesammelten E-Mail-Adressen

Das Verschicken elektronischer Werbebotschaften entwickelt sich immer mehr zum knallharten Geschäft am Rand der Legalität. «Es gibt Firmen, die wahllos E-Mail-Adressen sammeln und für MassenMailings verkaufen», so Gaby Salvisberg von der Fachzeitschrift «PC-Tip». Der Begriff Spam stammt übrigens von einem Sketch der Komikertruppe Monty Python. Dort singt eine Gruppe Wikinger den Refrain «Spam, Spam, Spam», um die anderen Schauspieler zu übertönen. Im Internet stören elektronische Spams die Kommunikation.


40 unerwünschte E-Mails an nur einem Tag

Martin Fürst hat sich aufs Verschicken von Spams spezialisiert. Unaufgefordert versendet er E-Mails, in denen er für diverse Dienstleistungen und Artikel wirbt. Fürst behauptet: «Wer sich von der Kundenliste streichen lassen will, wird gestrichen.»

Daniel Buchs aus Kloten ZH macht da andere Erfahrungen. Der Elektroinstallateur erhält zu Spitzenzeiten täglich 40 Spams, darunter auch stets solche von Fürst. «Es wurden immer mehr. Ich bat Herrn Fürst, mich in Ruhe zu lassen. Doch er reagierte nicht auf meine Post», schildert Buchs. Er versuchte es weiter mit eingeschriebenen Briefen.

Seine Korrespondenz mit Fürst, den Providern und dem Bundesamt für Kommunikation füllt bereits einen ganzen Bundesordner. Jetzt hat er Klage gegen Fürst eingereicht. «Ich will ein klares Urteil, dass solche Belästigungen verboten sind», fordert Buchs.

Tatsächlich ist der Name Martin Fürst dem eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür bekannt. «Mit seiner Unternehmens-praxis verletzt Martin Fürst das Datenschutzgesetz. Dieses verlangt, dass der Inhaber einer Datensammlung auf Kundenwunsch hin Daten aus seiner Kartei löscht», erklärt Thür. Solche Anträge ignoriere Fürst schlicht. Fürst wehrt ab; er habe in den letzten Jahren über 5500 Personen von seiner Adressliste gestrichen.


99 Prozent aller Spams stammen aus dem Ausland

Dennoch hat der Datenschützer jetzt eine Empfehlung veröffentlicht: «Herr Fürst muss sich ans geltende Recht halten», sagt Thür. «Das bedeutet erstens, dass betroffene Personen Einblick in seine Kundenliste nehmen dürfen, zweitens ihre Dateien löschen lassen können und drittens verlangen können, dass ihre Daten nicht weiterverkauft werden.»

Doch auch wenn Thür Fürst einen Riegel vorschieben kann, wird Urs Marti weiter Post von unbekannten Damen erhalten. Denn 99 Prozent aller Spams kommen aus dem Ausland. Da hilft auch kein Schweizer Datenschutz.



Mit der E-Mail-Adresse geizen

Gaby Salvisberg, Redaktorin beim Fachmagazin «PC-Tip», sagt, wie man sich gegen Spams wehren kann:

- Oberstes Gebot: Geizen Sie mit Ihrer Mail-Adresse.

- Bevor Sie eine Dienstleistung aus dem Internet in Anspruch nehmen, kontrollieren Sie, ob die Weitergabe Ihrer Adresse explizit ausgeschlossen wird.

- Legen Sie sich drei E-Mail-Adressen zu: eine private, eine geschäftliche und eine als Spam-Magnet, die Sie an Orten einsetzen, die Spammer nach Adressen abgrasen, etwa in Chats, Diskussionsforen, Online-Gästebüchern oder Newsgroups.

- Machen Sie nicht mit bei Spielen und Witzen, die per Mail weitergeleitet werden.

- Verzichten Sie aufs Weiterleiten von Virenwarnungen, da diese Mails oft Dutzende oder Hunderte von Mail-Adressen enthalten.

19. Februar 2003 | Anatol Hug


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