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Die meisten Software-Unternehmen sind noch immer krisengebeutelt. Doch ihre Kunden haben dringenden Nachholbedarf. Es muss also wieder aufwärts gehen, fragt sich nur wann.
Drei Jahre ist es mittlerweile her, seit die Technologie-Märkte eingebrochen sind: Im Februar 2000 erreichte der Nasdaq-Index mit über 5100 Punkten ein Niveau, das man heute - der Index dümpelt seit Monaten zwischen 1200 und 1500 Punkten - kaum mehr glauben kann.
Höchste Zeit also für ein Revival? Gemach - so schnell werden sich die Kurse wohl kaum erholen: Die Technologie-Branche ist noch immer schwer angeschlagen - und das Vertrauen der Investoren nach all den schmerzhaften Verlusten tief erschüttert. Die Rezession und der Irak-Konflikt tragen weiter zur Verunsicherung bei.
Umgekehrt ist klar, dass ein grosser Teil der Weltwirtschaft direkt von der Technologie und ihren Fortschritten abhängt. Wer hier nach Ansatzpunkten für Investments sucht, kann also nicht völlig falsch liegen.
Vier mögliche Sektoren stehen dabei zur Auswahl: Hardware, Software, Dienstleistungen und Telekommunikation. Am meisten verspricht zurzeit das Segment Software - und das aus verschiedenen Gründen.
Viele Unternehmen haben auf den steilen Wirtschaftsabschwung mit drastischen Sparmassnahmen reagiert, um so zumindest kurzfristig ihre Ergebnisse zu verbessern (oder um überhaupt zu überleben). Damit haben sie natürlich selber zur Beschleunigung des Abwärtstrends beigetragen.
Nachdem diese Möglichkeiten nun aber weit gehend ausgeschöpft sind, lassen sich weitere Effizienzsteigerungen oft nur noch mit einem zusätzlichen Einsatz von Technologie erzielen. Der Schlüssel dazu sind neue, innovative Software-Lösungen.
Software hat zwar kein fest definiertes «Ablaufdatum», aber wer die Programme nach einer gewissen Zeit nicht erneuert, gerät ins Hintertreffen. Je älter die Software, desto häufiger gibt es Probleme beim Datenaustausch. Auch der Support des Herstellers lässt bei veralteten Programmversionen spürbar nach. Nachdem viele Unternehmen in den letzten zwei, drei Jahren aus Spargründen mit der Software-Erneuerung ungewöhnlich lange zugewartet haben, besteht jetzt ein zunehmender und dringender Nachholbedarf.
IT-Systeme werden zusehends vernetzt. Neben eigenen Mitarbeitern haben in vielen Unternehmen auch Berater, Kunden und Lieferanten Zugang - via Internet oder auf direkten Datenkanälen. Das schafft Sicherheitsprobleme, die sich nur mit spezialisierter Technologie effizient und zuverlässig bewältigen lassen.
Neben Firewalls (einer Kombination von Hardware und Software) werden dabei vor allem Antiviren-Programme und Software für die Zuteilung, Verwaltung und Kontrolle von Zugangsrechten installiert.
Potenzial für eine Erholung der Software-Branche wäre also durchaus vorhanden - da sind sich auch die meisten Analysten einig.
Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum zum Beispiel erwartet, dass viele Unternehmen spätestens in den nächsten 12 bis 18 Monaten grössere Investitionen in
den Bereichen Anwendungs- und System-Software machen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Davon profitieren könnten nach Bilands Ansicht Anbieter wie SAP und Peoplesoft - beides MSCI-Index-Titel im Bereich Anwendungs-Software - sowie Microsoft, Oracle, Veritas, Adobe und Computer Associates im MSCI-Bereich System-Software.
Ins gleiche Horn stossen Paul Kleiser und Stuart O'Gorman, Fondsmanager des Henderson Horizon Global Technology Fund. Auch sie sehen einen starken Nachholbedarf der Unternehmenskunden, aber auch deren starke Zurückhaltung. Sofern diese Kunden Geld für Software ausgeben würden, schreiben Kleiser und O'Gorman, dann nicht für Programm-Updates, sondern nur für echte Erweiterungen ihrer bestehenden Anwendungen. Profitieren würden zurzeit vor allem etablierte Hersteller wie Microsoft oder Symantec.
Branchenspezialisten der Deutschen Bank erwarten von den grossen US-Software-Häusern «solide» Resultate für das vierte Quartal 2002 und haben bei den Marktführern zudem eine deutliche Bestellzunahme eruiert. Umgekehrt haben die Analysten in Gesprächen mit potenziellen Kunden festgestellt, dass die IT-Budgets für 2003 zumeist «sehr konservativ» angesetzt sind.
Was lässt sich denn aus all dem für die Börsenkurse der Software-Hersteller schliessen? Nun, für eine richtige Rallye scheints (noch) nicht zu reichen. «Kaum waren die Investoren in den letzten Monaten aufgesprungen, brachen die Kurse bereits wieder ein», sagt Markus Kramer, Technologie-Analyst bei der Bank Leu. Seiner Ansicht nach wird es noch eine Weile so weitergehen: «Die durchschnittlichen Bewertungen der Software-Titel», so Kramer, «sind immer noch hoch - und ein fundamentaler Treiber, der die Kurse beflügeln könnte, ist derzeit nicht erkennbar.»
Kramers Kollegen von der Deutschen Bank sind der gleichen Ansicht: «Wir glauben, dass die guten Quartalsergebnisse in den jetzigen Kursen schon berücksichtigt sind. Die Software-Branche», so das Fazit im neusten Report, «braucht jetzt erst mal eine Verschnaufpause.»
Wie lange die entsprechende Verschnaufpause bei den Aktienkursen dauern wird, mag zurzeit niemand vorhersagen. Selbst die grössten Optimisten unter den Analysten kommen langsam zur Erkenntnis, dass nicht der dramatische Einbruch der Technologie-Börsen in den letzten drei Jahren die grosse Ausnahme war, sondern der Anstieg in den Jahren zuvor.
Umgekehrt gilt: Man darf die Branche keineswegs abschreiben. Einzelne Unternehmen (Microsoft, Symantec, Adobe, Intuit, siehe Charts) haben das fundamentale Beben nicht nur gut überstanden, sondern sogar zulegen können - selbst an der Börse. Diese Perlen zu finden und gleichzeitig die Nieten zu vermeiden, ist allerdings extrem schwierig. Sogar Fondsmanager treffen meist die falsche Auswahl (siehe Kasten Seite 32).
Früher oder später werden jedoch auch die anderen Software-Unternehmen ihren Tritt wieder finden - oder verschwinden. Klar, dass sich das auch in den Aktienkursen widerspiegeln wird. Und zwar rasch und überproportional. Mit anderen Worten: Niemand weiss, wann der Software-Zug abfährt. Aber wenn er einmal ins Rollen kommt, ist es zum Aufspringen fast schon wieder zu spät. So war die Börse schon immer - und so wird sie es auch in Zukunft sein.
Felix Weber
Fonds bieten nur Mainstream-Investments - am besten direkt in Titel investieren
Im Bereich «Software» verloren Anleger mit Index-Aktien (Exchange Traded Funds) in den vergangenen drei Krisenjahren zum Teil deutlich weniger als mit gemanagten Fonds - aber leider immer noch schmerzhaft viel. Besser gefahren wären sie mit gut ausgewählten Einzelaktien.
Aktiv gemanagte Aktienfonds, die zu mehr als 50 Prozent in Software- oder Internet-Aktien investieren, sind selten. Einige mussten aus Mangel an Kapital sogar geschlossen werden.
In der Schweiz zugelassen sind derzeit nur drei: der Clariden Software Equity Fund, der Dexia Invest Sicav Technology C und der DIT-Software-Fonds. Wobei der Clariden-Fonds mit einem Volumen von rund 12 Mio. CHF so klein ist, dass Markus Mächler vom Fund Lab der CS Private Banking vom Kauf abrät.
Wer diese Fonds etwas näher anschaut, stellt überdies fest: Statt nach Anlage-Perlen zu suchen und mutig in diese zu investieren - was man von einem guten Fondsmanager erwarten dürfte -, haben sich die Manager der Software-Fonds zusehends nach den Indextiteln gerichtet - zum Teil aus Sicherheitsüberlegungen und zum Teil auf Kundendruck hin, wie Victor Huonder von der Clariden Bank erklärt.
Am extremsten ist der Clariden-Fonds, der 47 Prozent allein in Microsoft investiert (im Index hat Microsoft ein Gewicht von 55 Prozent).
Damit dies legal möglich war - normalerweise dürfen Einzeltitel in einem Fonds nicht mehr als 10 Prozent Gewicht haben -, musste der Clariden-Fonds auf der Kanalinsel Guernsey als «Fonds mit besonderen Risiken» aufgelegt werden. Zudem war eine Spezialbewilligung der Eidgenössischen Bankenkommission nötig.
Sollte man dann nicht besser gleich einen Indexfonds kaufen, der erst noch viel weniger Kosten verursacht? Die Antwort ist ein klares Ja: Tatsächlich gibt es zwei entsprechende Anlagevehikel, die wie Aktien an der Amex gehandelt werden (so genannte Exchange Traded Funds): den Software HOLDRs Trust (SWH) und den iShares Goldman Sachs Software Index Fund. Beide hatten in den letzten Jahren auch eine bessere (sprich: weniger schlechte) Performance als die oben erwähnten Fonds.
Fazit: Wer im Software-Segment nicht auf Mainstream-Investments aus ist, hat zurzeit überhaupt keine Fonds zur Auswahl - er muss die Titel selbst picken und direkt investieren. Das ist aufwändiger, spannender und vielversprechender, aber natürlich auch risikoreicher.
31. Januar 2003 | Felix Weber
