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Artikel | K-Tipp 16/2002

Telefonieren wird billiger

Pro Gesprächsminute rund um die Uhr 3 statt 4 bis 8 Rappen: Cablecom will der Swisscom mit Tiefpreisen Kunden abjagen.

Marco Diener mdiener@ktipp.ch

Wer via Festnetz telefonieren will, ist heute Swisscom-Abonnent. Er kann die Verbindung zwar über einen anderen Anbieter wählen, den Anschluss aber muss er der Swisscom bezahlen. Doch das könnte sich bald ändern. Denn Cablecom will in die Festnetz-Telefonie einsteigen - und damit das Swisscom-Monopol auf die «letzte Meile» knacken.

Cablecom hat gegenüber den anderen Swisscom-Konkurrenten einen entscheidenden Vorteil. Sie hat eigene Kabel bis in die Wohnungen. Über diese Kabel, mit denen heute 1,5 Millionen Cablecom-Kunden Radio- und Fernsehsendungen empfangen, sollen auch Telefongespräche möglich werden.

Ein Swisscom-Abo für den Anschluss ist also nicht mehr nötig. Gegenwärtig sind noch Versuche im Gang. Der definitive Start für digital phone ist für den kommenden Frühling vorgesehen.

Ob es tatsächlich dazu kommt, steht noch nicht definitiv fest. Der Start ist schon mehrmals verschoben worden - aus technischen Gründen, wie Cablecom betont. Die Verzögerung habe mit den aktuellen Geldproblemen der Firma nichts zu tun, beteuert Cablecom-Sprecherin Theresia Büsser: «Wir haben die Mittel für digital phone zurückgestellt.»


Billigere Abos, billigere Tarife

Cablecom will die Swisscom mit Tiefpreisen attackieren:

- So soll das Abo für den ersten Telefonanschluss laut einem internen Papier, das dem K-Tipp vorliegt, 20 Franken kosten (Swisscom Fr. 25.25).

- Inlandgespräche dürften demnach rund um die Uhr 3 Rappen pro Minute kosten (Swisscom 4 bis 8 Rappen).

- Gespräche ins Ausland und auf Handys sollen so viel kosten wie bei Swisscom der Niedertarif.

Swisscom-Sprecher Sepp Huber zeigt sich unbeeindruckt. Die Swisscom sei, so Huber, «preislich sehr gut positioniert». Im K-Tipp-Vergleich der Festnetzanbieter (Ausgabe 12/02) lag die Swisscom jedoch nur im hinteren Mittelfeld.


Bald auch telefonieren über die Steckdose?

Für ganz kurze Gespräche dürften aber weder Swisscom noch Cablecom erste Wahl sein. Denn Cablecom wird eine Verbindungsaufbaugebühr von 8 Rappen verlangen, Swisscom ihrerseits rundet immer auf den nächsten Zehner auf.

Übrigens: Auch die Elektrizitätswerke verfügen über Leitungen bis in jede Wohnung. Und auch sie wollen diese künftig für die Telefonie nutzen. Vorteil: Die Telefone könnten an jeder Steckdose in der Wohnung angeschlossen werden. Wann die Elektrizitätswerke in den Telefoniemarkt eingreifen, ist allerdings noch offen.



Telefonieren via Kabelanschluss: Die Antworten auf die häufigsten Fragen

1. Was ist digital phone?

Das Festnetz-Telefonie-Angebot der Cablecom. Digitalphone-Abonnenten brauchen kein Swisscom-Abo mehr.


2. Wie viele Personen können gleichzeitig telefonieren?

Pro Cablecom-Anschluss gibt es zwei Linien.


3. Haben beide Leitungen separate Telefonnummern?

Ja.


4. Wie steht es mit Radio, TV und Internet, wenn beide Telefonleitungen benutzt werden?

Auch dann können Sie über Kabel Radio- und TV-Programme empfangen. Sogar eine Internet-Verbindung ist gleichzeitig möglich.


5. Brauche ich neue Modems?

Ein kombiniertes Modem genügt für Telefon und Internet.


6. Wie viel kostet ein solches Modem?

Die Cablecom stellt es gratis zur Verfügung.


7. Kann ich mein ISDN-Telefon benutzen?

Nein, digital phone funktioniert vorerst nur mit analogen Telefonen - allerdings auch mit schnurlosen.


8. Kann ich digital phone auch bei plombiertem TV- und Radio-Kabelanschluss nutzen?

Nein. Die monatliche Gebühr für den TV- und Radioanschluss beträgt 22 bis 24 Franken.


9. Kann ich jemanden anrufen, der keinen Kabelanschluss hat?

Ja, auch auf Handys.


10. Welche zusätzlichen Installationen sind für digital phone nötig?

In vielen Gebäuden reicht es, wenn Cablecom den Filter in der Hausverteilungsanlage entfernt, in anderen ist eine Sanierung der Anlage nötig.


11. Wer zahlt das?

Wenn der Hauseigentümer einen Serviceplus-Vertrag mit der Cablecom abgeschlossen hat, zahlt die Cablecom. Andernfalls der Hauseigentümer.


12. Wie viel kosten die Arbeiten?

Die Entfernung eines Filters kostet durchschnittlich 150 bis 200 Franken pro Wohnung, die Sanierung der Anlage 250 bis 300 Franken.

02. Oktober 2002


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