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Eine Sprache lernt man am besten dort, wo sie gesprochen wird. Wer Land und Kurs sorgfältig auswählt und diszipliniert ist, hat garantiert Erfolg.
Diesen Sommer hat Karin Hilfiker aus Zofingen AG in England einen zweimonatigen Sprachkurs besucht. Kurz zuvor hatte sie ihr Studium als Forstingenieurin an der ETH Zürich abgeschlossen und wollte nun ihr schwaches Englisch aufbessern.
Eigentlich hatte sie einen Aufenthalt in Irland geplant, vor allem wegen der landschaftlichen Schönheit. Weil sie aber dort keinen Vorbereitungskurs für das international anerkannte First-Diplom (Cambridge First Certificate) fand, entschied sie sich für den südenglischen Küstenort Bournemouth.
Die zwei Monate in England waren für die 26-Jährige ein grosser Erfolg. «Ich habe mich sprachlich stark verbessert, die englische Kultur kennen gelernt und von den Ausflügen in die nahen Erholungsgebiete schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen.» Ihre neu erworbenen Englischkenntnisse könnten Karin Hilfiker bald zugute kommen, wenn sie sich auf Jobsuche begibt. Nicht zuletzt, weil sie sich vorstellen könnte, auch im Ausland zu arbeiten.
Die Prüfung selber machte Karin Hilfiker nicht in England, sondern erst nach ihrer Rückkehr in der Schweiz. Inzwischen hat sie diese bestanden.
Etwas hat die Forstingenieurin aber gestört: die vielen Schweizerinnen und Schweizer an der Schule. «Dieses Problem kann man nicht wegdiskutieren», sagt Peter Rupp, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Biku Languages. Die meisten Schüler wünschen einen Kurs an einem bekannten Ort, wo man mit einem Diplom wie Proficiency und Advanced abschliessen kann. «So treffen sich die Schweizer vor allem an den Sprachschulen von Oxford, Cambridge und London.»
Wer seinen Landsleuten möglichst aus dem Weg gehen möchte, sollte also einen unbekannten Ort wählen und statt eines Diplomkurses einen Themenkurs wie Business (Geschäftssprache) belegen. «Von diesen Lehrgängen kann man genauso gut profitieren wie von einem Diplomkurs», sagt Peter Rupp.
USA und Australien qualitativ schlechter
Nicht alle Länder bieten wie England Schulen auf höchstem Niveau. Martin Pfister, Geschäftsleiter eines der grössten Vermittler, der Prolinguis, hat neben Grossbritannien gute Erfahrungen mit Neuseeland und Kanada gemacht. «Die Schulen dieser drei Länder sind in der Regel sehr gut.» Die USA und Australien könnten jedoch für Europäer nicht die gleiche Unterrichtsqualität erbringen.
Rupp bestätigt dies: «Die Sprachinstitute dort haben ihre Kurse stark auf die Bedürfnisse der asiatischen Studenten abgestimmt.» Weil die australischen Schulen das erwartete Niveau nicht bieten können, hat er Australien sogar ganz aus seinem Programm gestrichen. Das sei schade, weil sich gerade jüngere Kunden stark für einen Aufenthalt in Down Under interessierten.
Nicht nur die Kurskosten zählen
Australien ist laut Pfister jedoch preislich attraktiv. Ein Kurs kostet in der Regel weniger als in England oder Amerika. In Sydney etwa zahlt ein Sprachschüler für einen vierwöchigen Englisch-Lehrgang samt Zimmer bei einer Gastfamilie rund 1850 Franken, in Los Angeles 2700 und in London 2400 Franken.
Wie teuer letztlich aber ein Aufenthalt kommt, hängt nicht nur von den Kurskosten ab, sondern etwa auch von den Lebenskosten. Es macht finanziell einen Unterschied, ob sich die Schule in einer Weltstadt wie New York befindet oder an einem kleinen Ort wie Bournemouth. Wichtig sind zudem natürlich auch die Kosten für die Anreise.
Wie Karin Hilfiker musste auch Philipp Kramer aus Frauenfeld beim Englisch weit unten anfangen. «Es hat sich gezeigt, dass diese Sprache in meinem Berufsalltag immer wichtiger wird.»
Der 47-jährige Prokurist bei einer grossen Versicherung hat auf die Änderungen im beruflichen Umfeld reagiert. Weil er nie gut Englisch sprechen konnte, hat er mit Privatstunden in der Schweiz angefangen. Danach hat er einen Business-Kurs in London besucht.
Mit einem Test zum richtigen Kurs
Um seinen dreiwöchigen Sprachaufenthalt optimal zu nutzen, hat er im Vorfeld einen Sprachtest gemacht. Aufgrund des Resultats und im Gespräch mit dem Sprachvermittler entschied er, einen Business-Kurs und teilweise Einzelunterricht zu belegen. Dank der sorgfältigen Abklärung hat die Kursbelegung perfekt gestimmt. «Ich war gefordert, aber nie überfordert», sagt er.
Einzelunterricht ist eine Möglichkeit, besonders intensiv Sprachen zu lernen. Das ist aber teuer. Eine andere ist es, bei einer Kursdauer unter vier Wochen sechs Unterrichtsstunden pro Tag zu belegen. «Mehr macht aber keinen Sinn», sagt der Sprachschulvermittler Peter Rupp. Für längere Kurse seien 20-Stunden-Wochen sinnvoll, also vier Stunden pro Tag.
Für seinen Auslandaufenthalt gab Kramer drei Wochen Ferien her, für die Kurskosten musste er aber nicht selber aufkommen. Auch den Unterricht in der Schweiz hatte sein Arbeitgeber bezahlt. «Ich hätte die Kosten aber auch selber übernommen», sagt er.
Nicht nur seine verbesserten Englischkenntnisse lassen ihn eine durchwegs positive Bilanz ziehen: «Nach 25 Berufsjahren mal weg vom täglichen Umfeld war ein aussergewöhnliches Erlebnis.»
Rolf Muntwyler
Checkliste
Beantworten Sie folgende Fragen, bevor Sie sich für eine bestimmte Sprachschule entscheiden.
- Möchten Sie ein Diplom erwerben? Ist ein Diplom für Ihre berufliche Zukunft wichtig? Benötigen Sie die Fremdsprache im Geschäft zum Verhandeln? Brauchen Sie spezielle Kenntnisse?
- Wie lange darf der Auslandaufenthalt dauern?
- Wie gross ist Ihr Budget?
- Welches Land würden Sie gerne besuchen?
- Bevorzugen Sie ein idyllisches Städtchen oder eine Grossstadt?
- Möchten Sie bei einer Gastfamilie wohnen oder in einem Studentenwohnheim?
- Ist Ihnen die Kultur eines Landes wichtig? Soll die Schule Ausflüge und Veranstaltungen organisieren?
- Möchten Sie an eine Schule mit wenig Schweizern?
So erkennen Sie einen guten Berater. Er sollte
- nicht nur aus dem Prospekt vorlesen und Videos zeigen,
- die Schulen selber besucht haben,
- die Schulen einer ganzen Sprachregion kennen, nicht nur jene einzelner Länder: Nur so kann er entscheiden, ob Australien oder Kanada die bessere Wahl für Sie ist,
- Ihnen bei der Budgetplanung helfen und Sie auf hohe Lebenshaltungskosten in einem Land aufmerksam machen.
Wichtig: Achten Sie darauf, dass das Büro keine Vermittlungs- oder Beratungsgebühr verlangt. Geben Sie sich also nicht mit einem Pauschalpreis zufrieden, sondern lassen Sie sich die Kostenpunkte separat ausweisen. Vergleichen Sie mehrere Anbieter oder überprüfen Sie die Preise im Internet.
Adressen
- Eine Liste mit Kontaktadressen kann man unter www.swissemigration.ch herunterladen (pdf-Format). Geben Sie dazu auf der Homepage in das Suchfeld das Stichwort «Sprachaufenthalte» ein. Die Liste wird geführt vom Bundesamt für Ausländerfragen, Telefon 031 322 42 02.
- Ratgeber für Sprachaufenthalte, zu bestellen bei Varia Lingua Plus, Telefon 041 410 50 43, für 10 Franken, www.varialinguaplus.ch
Sprachkurse in der Schweiz bieten unzählige Schulen an, zum Beispiel
- der Verband Schweizerischer Volkshochschulen Telefon 031 302 82 09, Fax 031 302 56 46, E-Mail office@up-vhs.ch, Internet www.vhs.ch: Unter dem Stichwort «Mitglieder» finden Sie einen Link zu einer Volkshochschule in Ihrer Umgebung.
01. September 2002
