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Artikel | saldo 14/2002

Swisscom mahnt nur einmal

Vergesslichkeit beim Zahlen der Handy-Rechnung kann die Kunden teuer zu stehen kommen. Zahlungsverzögerungen können zu Kosten von mehreren Hundert Franken führen.

Auslandgespräche, unzählige SMS oder 0900er-Nummern können die Handy-Rechnung in Schwindel erregende Höhen treiben. Nicht alle Handy-Abonnenten sind in der Lage, unerwartet hohe Rechnungen einfach so zu zahlen. Um sich Betreibungen zu ersparen, überprüfen Swisscom Mobile, Orange und Sunrise die Zahlungsmoral von Neuabonnenten standardmässig.

Dazu greifen die Anbieter auf eigene Daten, aber auch auf solche von Inkassobüros zurück. Sunrise wollte dazu keine Angaben machen, Orange und Swisscom arbeiten unter anderem mit der nicht unumstrittenen Firma Intrum Justitia zusammen.

Gemäss Orange-Sprecherin Therese Wenger liefert Intrum Justitia auf Anfrage die über den betreffenden Kunden gespeicherten Informationen. Ist dieser in einer einschlägigen Datenbank eines Inkassobüros festgehalten, gibts das Abo meist nur mit Auflagen.

Orange und Sunrise verlangen von den betroffenen Kunden ein Depot, dessen Höhe von den gewünschten Diensten abhängt. Das Geld wird verzinst und spätestens bei Vertragsauflösung zurückgezahlt. Swisscom Mobile verzichtet auf ein Depot, richtet aber eine Kreditlimite ein.


Druckmittel: Sperrung der SIM-Karte

Wenn Zahlungen ausbleiben, verfügen die Anbieter über diverse Massnahmen, um säumige Zahler unter Druck zu setzen. So können sie bei Bedarf die SIM-Karte sperren. Bei Swisscom geschieht dies schon nach einer einzigen Mahnung kurz nach Fälligkeitsdatum. Wer diese übersieht, hat Pech gehabt. Swisscom-Sprecher Josef Huber hat damit kein Problem: «Wir haben uns den im Geschäftsverkehr üblichen Gepflogenheiten angepasst.»

Sunrise versendet immerhin zwei Mahnungen vor der Sperre. Geduldig zeigt sich Orange: Erst nach drei Mahnungen wird die SIM-Karte blockiert.


Kunden werden bei Vertragsauflösung zur Kasse gebeten

Wer schnell auf die Sperre reagiert und zahlt, kann den Bann über seiner SIM-Karte brechen. Allerdings fallen bei Swisscom und Sunrise für das Sperren beziehungsweise das Entsperren Kosten von 40 Franken an. Nur Orange entsperrt den Anschluss gratis.

Zahlt der Kunde jedoch weiterhin nicht, kündigen die Anbieter den Vertrag definitiv. Das kostet erneut: Für eine vorzeitige Abo-Auflösung stellt Orange den Kunden 300 Franken in Rechnung. «Diese 300 Franken sind eine Entschädigung für die subventionierten Handys, welche die Kunden dank dem Abonnement bezogen haben», erklärt Therese Wenger. Dass die Kunden den Vertrag nicht selber aufgelöst haben, spielt keine Rolle. In den Geschäftsbedingungen von Orange heisst es, die Gebühr falle an, egal, ob sich der Kunde «zur vorzeitigen Kündigung entschieden hat oder ob die vorzeitige Kündigung auf sein Verhalten zurückzuführen ist».

Auch Sunrise verlangt eine Strafgebühr. Die Höhe hängt von der Art des Abos ab.

Bei Swisscom Mobile müssen die Kunden die Monatsgebühren bis zum Ablauf der Vertragsdauer weiterzahlen - telefonieren können sie aber nicht mehr.

Mirjam Fonti

11. September 2002


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