SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | saldo 11/2002

Osteoporose - Vorbeugen schon in jungen Jahren möglich

Altersbedingter Knochenschwund führt oft zu Knochenbrüchen. Die Folge: Schmerzen, Spitalaufenthalt und -kosten. Vorbeugende Massnahmen zahlen sich aus.

Rösli Kuster kennt man in Willisau LU. Sie ist Wirtin im Hotel Mohren. Im Familienbetrieb hilft jedes Mitglied mit. Auch die 70-jährige Rösli Kuster. Trotz Osteoporose bringt sie voll beladene Tabletts zu den Gästen.

Das war vor anderthalb Jahren ganz anders. «Ich konnte keine Teller tragen, auch Einschenken ging nicht mehr. Gerade noch die Kaffeemaschine bedienen war möglich.» Rösli Kuster litt an unerträglichen Schmerzen im Kreuz, die bis in die Beine ausstrahlten. Niemand kannte den Grund dafür.

Gegen Ende der mehrmonatigen Leidenszeit konnte Rösli Kuster nicht mehr alleine gehen. «Ich lag hauptsächlich auf dem Rücken im Bett. Schmerztabletten nützten nichts mehr, sie schlugen mir nur noch auf den Magen.» Erst als sie den Arzt wechselte, wurde ihre Krankheit richtig diagnostiziert: Osteoporose - altersbedingter Knochenschwund - mit mehrfachen Wirbelbrüchen.


Osteoporose trifft mehr Frauen als Männer

Die Leidensgeschichte von Rösli Kuster ist kein Einzelfall. «Osteoporose wird häufig erst erkannt, wenn Wirbel oder Knochen schon gebrochen sind. Also zu einem Zeitpunkt, wo die Betroffenen schon stark leiden und ein Spitalaufenthalt nötig ist», bestätigt der Luzerner Rheumatologe Jörg Jeger.

So wie Rösli Kuster erleiden etwa jede dritte Frau und jeder siebte Mann in der Schweiz im Laufe des Lebens einen Osteoporosebedingten Knochenbruch. Grosses Leid, Immobilität, Behinderung, eingeschränkte Lebensqualität und vorzeitiger Tod sind die Folgen. Nach einem Schenkelhalsbruch sterben 20 Prozent der Patientinnen innerhalb des ersten Jahres, etwa 50 Prozent sind behindert und von fremder Hilfe abhängig. Nur etwa 30 Prozent können ohne relevante Behinderung weiterleben.

Osteoporose ist nicht nur für die Betroffenen eine grosse Belastung, sondern auch für das Gesundheitswesen. 550 000 Spitaltage waren 1992 durch Osteoporose bedingt. Die direkten Kosten dafür wurden auf 1,3 Milliarden Franken hochgerechnet. Mit der steigenden Lebenserwartung werden künftig auch die Osteoporose-Fälle zunehmen.


Prophylaxe: Sport und gesunde Ernährung

«Osteoporose verläuft lange Zeit ohne Symptome. Deshalb ist es wichtig, das individuelle Risiko für Osteoporose zu kennen», betont Jörg Jeger. Eine Messung der Knochendichte ist dann sinnvoll, wenn verschiedene Risikofaktoren vorliegen. Allerdings müssen Patienten auch bereit sein, bei vorhandenem Risiko ihr Verhalten zu ändern. «Noch wichtiger ist aber die Prophylaxe. Sie beginnt schon in der Jugend mit der Erziehung zu vernünftiger Ernährung, genügend sportlicher Aktivität und einem massvollen Umgang mit Nikotin und Alkohol.»

Das Ziel der Prophylaxe ist, eine möglichst hohe Knochendichte zu erreichen respektive beizubehalten. Wichtig ist eine kalziumreiche Ernährung und genügend Vitamin D. Bewegung im Freien unterstützt den Einbau von Kalzium in die Knochen. Eine trainierte Muskulatur wirkt sich günstig auf die Knochen aus, fördert die Beweglichkeit und den Gleichgewichtssinn. Im Alter nehmen Konzentration, Bewegungskoordination und Gleichgewichtssinn häufig ab. Tanzen oder etwa Tai-Chi (chinesisches Schattenboxen) helfen, diese Fähigkeiten aufrechtzuerhalten.


Rehabilitationsziel: Beweglichkeit zurückgewinnen

Rösli Kuster musste ins Spital. Dort wurde eine medikamentöse Behandlung eingeleitet, die den Knochenabbau bremst. Anschliessend war sie mehrere Wochen in einer Rehabilitationsklinik. Mit Krafttraining, Physiotherapie und Wassergymnastik gewann sie ihre Bewegungsfähigkeit zurück. Einmal pro Woche nimmt sie ein Bisphosphonat-Präparat ein. Dieses Medikament gilt als wirksamstes Mittel zur Behandlung von Osteoporose, verlangt aber Selbstdisziplin: Es nützt nur, wenn der Patient es nüchtern mit Wasser einnimmt, danach während 30 Minuten weder isst noch trinkt und sich nicht hinlegt. Rösli Kuster hat damit keine Mühe. Es geht ihr heute viel besser.

Susanna Beusch



Osteoporose: Das sind die Risikofaktoren

Der Knochen ist nicht tote Materie, sondern befindet sich in einem ständigen Erneuerungsprozess. Bis etwa zum dreissigsten Altersjahr nimmt die Knochenmasse stetig zu, der Aufbauprozess ist während dieser Zeit stärker als der Abbau. Darauf folgt eine 10-jährige stabile Phase, in der sich Auf- und Abbau die Waage halten.

Dann beschleunigt sich der Knochenabbau: Ein Verlust der Knochensubstanz von jährlich 1 bis 3 Prozent ist die Folge. Im Alter von 70 Jahren hat sich die Knochenmasse um durchschnittlich ein Drittel verringert, ohne dass dies als krankhaft zu bezeichnen wäre.


Maximale Knochenmasse ist im Alter von 30 bis 35 Jahren erreicht

Ob jemand eine Osteoporose entwickelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine wichtige Rolle spielt die maximal erreichte Knochenmasse im Alter von 30 bis 35 Jahren. Kalziumreiche Ernährung, Sport, Bewegung im Freien schaffen günstige Voraussetzungen für einen stabilen und funktionsangepassten Knochenbau und beugen einer Osteoporose vor. Inaktivität, Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, zu viel Schokolade, Cola, Kaffee und Wurstwaren wirken sich hingegen ungünstig auf den Knochenstoffwechsel aus. Daneben erhöhen erbliche Veranlagungen, Diabetes, Essstörungen, langjährige Cortison-Behandlungen und bei den Frauen ein früher Beginn der Wechseljahre das Risiko. Nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammentreffen mehrerer Faktoren erhöht das Risiko.

Osteoporose-Risiko-Selbsttest im Internet: www.donna.ch/de/test.htm



Mineralwasser - Kalziumgehalt auf einen Blick

Beim Kauf von Mineralwasser lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Nachfolgend ist der Kalziumgehalt einiger gebräuchlicher Mineralwässser aufgeführt:

- Adelbodner - 569 mg/l

- Eptinger - 555 mg/l

- Contrex - 467 mg/l

- Valser - 436 mg/l

- Aproz - 352 mg/l

- Passugger - 234 mg/l

- Rhäzünser - 198 mg/l

- Henniez - 111 mg/l

Eine ausführliche Liste ist erhältlich bei: Donna Mobile, Arbeitsgemeinschaft, Osteoporose, Schweiz, Bischofsteinweg 15, 4450 Sissach, Telefon 061 973 10 10, Fax 061 973 10 11, Internet: www.donna.ch

Wie viel Kalzium das Trinkwasser enthält, erfährt man bei der Wasserversorgung der Wohngemeinde.

05. Juni 2002


Beitrag als PDF
Osteoporose - Vorbeugen schon in jungen Jahren möglich
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Heftiger Streit ums Gefahr fürs Herz: Zu viel Fructose in Fertigprodukten Übergewicht schadet auch der Haut
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten