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Die Post lässt sich Zeit mit der Gutschrift von Einzahlungen. Auf Kosten der Kunden nimmt sie so 17 Millionen Franken Zinse ein.
Die Postfinance-Kunden brauchen viel Geduld. Sie müssen in der Regel mindestens zwei Tage auf Überweisungen warten. C.M. hat am 28. Dezember 2001 von seinem Bankkonto 250 Franken auf ein Postkonto überwiesen. «Eingetroffen ist das Geld erst am 3. Januar», klagt M.
Post finanziert mit den Zinsen ihre Geldtransporte
Aber nicht nur über die Feiertage, auch unter dem Jahr sind die Buchungsverzögerungen gang und gäbe. Erich Grossniklaus hat auf eine Überweisung, die seinem Bankkonto am 7. Februar belastet wurde, bis am 11. Februar warten müssen. Weil das Geld auf seinem Konto fehlte, konnte er anstehende Zahlungen nicht ausführen.
Die Post sucht gar nicht erst nach Entschuldigungen. «Es stimmt, dass wir Überweisungen erst nach zwei Arbeitstagen gutschreiben. Falls Feiertage dazwischenkommen, kann es bis zur Gutschrift maximal vier Tage dauern», bestätigt Postfinance-Pressesprecher Alex Josty.
Der Grund für die verzögerten Gutschriften ist im Gegensatz zu früher nicht mehr primär im technischen Bereich zu suchen. Die Mehrzahl der Poststellen ist heute elektronisch vernetzt. Vielmehr finanziert die Post mit den entstandenen Zinsen die Geldverarbeitung und den Transport von und zu den rund 3000 Poststellen in der Schweiz.
«Wir haben im Vergleich zu anderen Finanzinstituten in der Schweiz - bedingt durch die vielen zu beliefernden Stellen - ungleich grössere Aufwände beim Geldtransport. Wir müssen dafür sorgen, dass nicht zu viel Geld auf den Poststellen liegt, aber andererseits immer genug liquide Mittel vorhanden sind, um Gelder auszahlen zu können», begründet Josty. Dies koste Postfinance jährlich einen grösseren zweistelligen Millionenbetrag.
Den Kunden gehen durch diese Praxis bedeutende Zinserträge verloren. Im vergangenen Jahr hat die Post 332 Millionen Überweisungen im Gesamtbetrag von 1237 Milliarden Franken vorgenommen. Durchschnittlich schiebt die Post jeden Tag 3,4 Milliarden Franken hin und her. Nimmt man einen Zinssatz von 0,5 Prozent an, gehen den Kunden pro Tag, an dem die Post das Geld länger als nötig liegen lässt, Zinsen von rund 46 000 Franken verloren. Auf das ganze Jahr gerechnet verlieren die Kunden auf diese Weise 17 Millionen Franken Zinsgelder.
Banken verarbeiten Zahlungsaufträge viel schneller
Die Banken haben diese nicht kundenfreundliche Praxis bei der Einführung der Kontogebühren 1992 offiziell abgeschafft. UBS und Credit Suisse versichern auf Anfrage, dass Aufträge, welche die Bank früh genug erreichen, noch am gleichen Tag verbucht und am nächsten Tag den Kunden gutgeschrieben werden.
Josty sieht jedoch keine Notwendigkeit, sich den Banken anzupassen: «Die Tatsache, dass wir über 2 Millionen Kundinnen und Kunden haben, beweist, dass unsere Leistungen einem breiten Bedürfnis entsprechen.» Nur: Die Kundschaft kennt die Fristen der Post gar nicht. Aus den Kontoauszügen lässt sich zwar ersehen, wann ein Betrag belastet oder gutgeschrieben wurde, nicht aber, wie lange das Geld liegen blieb. Auch in den Allgemeinen Vertragsbedingungen fehlt ein entsprechender Hinweis.
SKS will beim Preisüberwacher protestieren
Die Stiftung Konsumentenschutz (SKS) mag das Vorgehen der Post nicht einfach so hinnehmen. Sie hat bereits 1999 schriftlich gegen die Buchungsverzögerungen protestiert. Wenn die Post schon wie die Banken Kontogebühren einführe, solle sie im Gegenzug auf den Valutaschnitt verzichten, forderte die SKS. Dass sich seither trotz technischem Fortschritt nichts getan hat, ärgert SKS-Geschäftsführerin Jacqueline Bachmann: «Es gibt keinen Grund, welcher der Post das Recht gibt, Valutatage für sich herauszunehmen. Diese kundenunfreundliche Vorgehensweise ist eine Frechheit. Wir wollen deswegen nächstens beim Preisüberwacher vorstellig werden.»
Mirjam Fonti
27. März 2002
