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Die Zuger Firma Admobile verkauft Werbeflächen auf Autos - und gibt die Wagen fast gratis an willige Werbefahrer ab. Doch die Werbeträger sollen im Voraus bezahlen - eine Fahrt mit ungewissem Ausgang.
Fast 10 000 Interessenten hat Admobile in einer Datenbank gesammelt. Alle wollen sie gratis Auto fahren und warten auf einen Vertrag. Das Angebot klingt attraktiv: Wer ein Auto mit Werbefolie spazieren fährt, zahlt je nach Wagenklasse nichts, 99 oder 188 Franken monatlich. Nur Benzin und Bussen gehen zu Lasten des Fahrers. Ausserdem muss er alle drei Monate einen Fragebogen ausfüllen, dessen Daten Admobile an die Werbekunden weitergibt.
Ende Februar erhielten viele Interessenten Verträge zugesandt. Wie viele, will Geschäftsführer André Thunström nicht preisgeben. saldo geht von über hundert Stück aus. Doch Admobile hat nur 25 neue Autos bestellt. Die Rücklaufquote betrage weniger als 30 Prozent, begründet Thunström die Zahl der versandten Verträge. Mit der Unterzeichnung wird für den Fahrer die erste Zahlung fällig: Neben der Bearbeitungsgebühr von 250 Franken ist eine Anzahlung von 500 Franken geschuldet. Die restliche Kaution in der Höhe von 2500 Franken kassiert Admobile bei der Fahrzeugübergabe.
In der Vergangenheit hat die Zuger Firma ihre Versprechen nicht immer erfüllt. Bruno Rossi (Name geändert) unterschrieb im August 2001 den Vertrag und zahlte für Gebühr und Depot 3250 Franken ein. Im Gegenzug sollte Admobile umgehend sein Fahrzeug bestellen. «Die Lieferung erfolgt in der Regel innerhalb von ein bis drei Monaten», stand im Vertrag.
Rund 50 enttäuschte Vertragsnehmer warten auf ihr Geld
Doch Rossi hörte bis Dezember nichts mehr von der Thunström & Thunström AG in Bern, die bis dahin das Admobile-Geschäft betrieben hatte. So kündigte er den Vertrag und erhielt am 4. März Fr. 32.50 zurückbezahlt. «Ein Softwarefehler», beschwichtigt André Thunström.
Sandra Hofstetter (Name geändert) machte ebenfalls schlechte Erfahrungen: Nachdem sie ein halbes Jahr auf ein Auto gewartet und den Vertrag schliesslich aufgelöst hatte, reichte sie am 21. Februar die Betreibung ein. Wenig später versprach Admobile schriftlich die Überweisung bis Ende Februar - bis zum 21. März ist immer noch kein Geld geflossen.
Gegenüber saldo versichert André Thunström: «Alle fälligen Zahlungen werden Ende März ausgelöst.» Gemäss Thunström warten rund 50 enttäuschte Vertragsnehmer auf ihr Geld. Immerhin: In den neuen Verträgen nennt Admobile ein Stichdatum. Ist das Auto bis dahin nicht ausgeliefert, so gilt der Vertrag als aufgelöst, und das Geld soll zurückgezahlt werden.
Viel zu wenig Einnahmen aus den Werbeflächen
Die Lage für Admobile ist ungemütlich. Als der 32-jährige André Thunström das Geschäft im Frühjahr 2001 gründete, kündigte er als Ziel 300 Fahrzeuge bis Jahresende an. Mittlerweile sind es 78, und selbst auf diesen Autos wirbt Admobile zur Hälfte für sich selbst. Die Einnahmen aus den Werbeflächen belaufen sich damit auf kümmerliche 30 000 Franken im Monat. Admobile beschäftigt derzeit fünf Mitarbeiter, zwei davon im Kundendienst. Dessen 0848er-Telefonnummer ist kaum je erreichbar.
Die Zukunft der fahrenden Plakatwände scheint nicht rosig. «Heute ist es schwierig, Kunden für ein neues Medium zu gewinnen», sagt Robert Wernli von You-Ad. Er verkauft Autoheckscheiben als Werbeflächen für 200 Franken monatlich. Im Unterschied zu Admobile hat You-Ad nichts mit der Beschaffung der Autos zu tun. Vielmehr stellen Privatpersonen ihre Heckscheiben gegen 100 Franken pro Monat zur Verfügung. Auch bei You-Ad figurieren 10 000 Werbewillige in der Datenbank. Wernli rechnet mit einer Durststrecke von weiteren zwei Jahren - «dann sollte sich Autowerbung einigermassen etabliert haben».
Mike Weibel
27. März 2002
