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Artikel | Haus & Garten 2/2001

Denn Verkäufer wissen oft nicht, was sie tun

Schlechte Noten für Handy-Verkäufer:Die Mehrheit hat den K-Spezial-Test nicht bestanden. Viele geben falsche Auskünfte und fallen durch glattes Nichtwissen auf.

K-Spezial hat 14 Handy-Shops besucht. Dazu gehörten Spezialläden von Mobilezone und Swisscom ebenso wie Verkaufsstellen von Manor, Migros, Media Markt, Interdiscount und Radio TV Steiner. Ziel war es, eine Kaufempfehlung für einen Gelegenheitstelefonierer zu erhalten.

K-Spezial nannte denVerkäufern folgendeVorgaben:

- Der Käufer hat ein Swisscom-Abo

- Das Handy soll weniger als 400 Franken kosten (ohne eine allfällige Anrechnung einer Abo-Verlängerung zu berücksichtigen)

- Vibrationsalarm ist Voraussetzung

- Stand-by-Zeit mindestens 120 Stunden

Das Resultat der Stichprobe: Nur 5 von 14 Verkäufern fanden ein Handy, das den Wünschen entsprach. Bei allen anderen erlebte das K-Spezial-Team sein blaues Wunder.

So zum Beispiel bei Manor in Zürich: Lang und breit erklärt der Verkäufer eine Vielzahl von Handys, aber die Siemens-Modelle lässt er aus. Als das Team danach fragt, sagt er: «Bei diesen Geräten kenne ich mich nicht aus.»


Verkaufspersonal: Grosse Wissensunterschiede

Er ist nicht der Einzige, der K-Spezial einen Teil des Angebots vorenthält. Aber diese entwaffnend ehrliche Antwort bekommt das Team nur von ihm. Andere Verkäufer vertuschen fehlende Kenntnisse, indem sie sich auf Schilder mit technischen Daten stützen. Da die Schilder aber in einigen Shops bei veralteten Handys stehen oder fehlerhafte Angaben enthalten, geben die Verkäufer falsche Auskünfte.

Auf der Einkaufstour muss das K-Spezial-Team noch über andere Antworten den Kopf schütteln. Zum Beispiel über solche, welche die Strahlenbelastung betreffen: «Das ist nur ein Gerücht», meint der Angestellte bei Radio TV Steiner in Zürich. Und sein Kollege in Oerlikon gibt noch eins drauf: Er deutet mit dem Finger auf ein Regal mit roten, gelben und grünen Ericsson-Handys und bemerkt: «So winzige Geräte können doch gar nicht strahlen.» Auch zu Wap (Wireless Application Protocol) und zu Tastatursperren erhält das K-Spezial-Team teilweise laienhafte Antworten.

Vorgabe 1: «Wir haben ein Abo bei der Swisscom»

Kein Gerät drückt man dem Testteam auf der Handy-Tour so oft in die Hände wie das Nokia 3310. Nur: Es hat einen Haken. Erhebliche Software-Probleme stören das Telefonieren mit Abo über Swisscom. Am Tag vor der Stichprobe hat die Swisscom in ihren Läden sogar den Verkauf gestoppt.

Umso verblüffender ist, dass kaum ein Verkäufer den K-Spezial auf die Schwierigkeiten aufmerksam macht. Sogar in ein und derselben Verkaufskette ist der Wissens- unterschied gross: Der Mobilezone-Verkäufer in Aarau warnt das Team vor dem Handy, während sein Kollege in Bern nichts davon sagt.

Bei drei Geschäften ist das Nokia 3310 die Kaufempfehlung, obwohl das Handy mit einem Swisscom-Abo Probleme hat. Ausdrücklich und wiederholt haben die Tester auf das bestehende Swisscom-Abo hingewiesen.

Vorgabe 2: «Das Handy soll höchstens 400 Franken kosten»

Der Verkäufer des Mobilezone-Shops in Bern und jener des Media Markt in Lyssach empfehlen dem Testteam das Panasonic GD92. Weil das Gerät beim Media Markt weniger als 400 Franken kostet, entspricht es den Vorgaben. Mobilezone Bern aber preist das Mittelklass-Handy bis zuletzt an, obwohl es 49 Franken über der Preisvorgabe liegt. Bei der Swisscom Bern gehört das Panasonic-Modell ebenfalls zu den letzten drei gezeigten - Preis dort: 498 Franken. Es ist damit 100 Franken teurer als beim Media Markt.


Verkäufer schwatzen oft zu teure Handys auf

Grosse Preisdifferenzen gibt es auch beim Nokia 7110. Die Interdiscount-Verkäufer in Bern und Basel wollen K-Spezial dieses Gerät unbedingt aufschwatzen. «Es lohnt sich, dafür ein wenig tiefer ins Portemonnaie zu greifen», ist der Tenor. Der Preis von 449 Franken für den Wap-Klassiker ist zwar tief: Die Migros Limmatplatz in Zürich zum Beispiel verkauft ihn für 598 Franken.

Auch kein Gehör für die Ausgabenlimite des K-Spezial-Teams hat der Verkäufer im Media Markt Pratteln. Der Shop bietet von allen besuchten Läden die grösste Auswahl, und eine Reihe Handys hätte den Vorgaben entsprochen. Doch statt auf die Wünsche des K-Spezial-Teams einzugehen, entfernt sich der Verkäufer zweimal, um mit Kollegen herumzualbern. Am Ende empfiehlt er ein viel zu teures Gerät: das Nokia 6210 für 489 Franken. Damit liegt es fast 100 Franken über der gesetzten Kostenlimite.

Vorgabe 3: «Wir suchen ein Handy mit einem Vibrationsalarm»

Im Restaurant oder an Sitzungen ist Klingeln unerwünscht. Der Vibrationsalarm (Vibra) ist deshalb die beste Art der Anrufmeldung. Er gehört inzwischen bei den Handys zur Grundausstattung.

Schlimmer Patzer bei der Migros am Limmatplatz in Zürich: Der Verkäufer empfiehlt dem Team das Ericsson A2618s. Nur: Er verwechselt Vibra mit Wap. Denn das Handy ist Wapfähig, aber hat keinen Vibrationsalarm.

Vorgabe 4: «Das Handy muss fünf Tage ohne Steckdose auskommen»

Der Akku ist das A und O des Handys. Er bestimmt die Sprechzeit, die Ladezeit sowie die Zeitspanne, in der das Handy empfangsbereit ist (die so genannte Stand-by-Zeit). Heute werden vor allem Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) oder Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) eingesetzt.

Die Ersteren sind am teuersten, leichtesten und im Verhältnis zum Gewicht die leistungsfähigsten. Zudem sind sie frei vom Memory-Effekt: Man muss sie nicht immer erst vollständig leeren, bis man sie wieder aufladen darf.

Das Panasonic GD30, das der Manor-Angestellte in Zürich dem K-Spezial-Team verkaufen will, kann nach Herstellerangaben bloss bis zu 95 Stunden ohne Steckdose sein. Zu wenig für seine Wünsche: Das Team verlangt mindestens 120 Stunden. Das kümmert den Verkäufer aber wenig: «Alle Akkus sind gleich gut», sagt er.

K-Spezial hat die Unternehmen zum schlechten Abschneiden ihrer Verkäufer um eine Stellungnahme gebeten. Rubik Helga von der Interdiscount AG schreibt: «Bei der grossen Vielfalt der Angebote und dem schnellen Modellwechsel ist es schwierig, dass alle Verkaufsmitarbeiter gleichzeitig über alle Modelle perfekt Auskunft geben können und über alle Abonnements-Aktionen Bescheid wissen.» Sie ist nicht die einzige, die ihre Verkäufer auf diese Art in Schutz nimmt.

Stephan Pfäffli



Für jedes Bedürfnis das passende Mobil-Telefon

Überlegen Sie sich vor dem Kauf: Was muss Ihr Handy können und bei welcher Gesellschaft möchtenSie telefonieren?

Handy-Typen:

- Einsteigermodell: Preis bis zu 500 Franken (ohne Abo). Für Leute, die nur gelegentlich mobil telefonieren oder vor allem erreichbar sein wollen.
+ Leichte Handhabung
- Akkus nicht sehr ausdauernd

- Business-Klasse: Preis zwischen 900 und 1200 Franken (ohne Abo). Für Leute, die das Handy regelmässig nutzen. Viele Eigenschaften wie Sprachwahl (wählen auf Zuruf die Nummer des gewünschten Gesprächspartners), Wap, Headset-Anschluss und integrierter Fax-/Modem-Anschluss.
+ Akkus mit langen Bereitschaftszeiten, oftmals unauffällige Gestaltung
- Hoher Preis

- Mini-Klasse: Preis zwischen 500 und 1000 Franken (ohne Abo). Für Leute, die attraktives Design und viel Leistung benötigen. Die meisten Modelle haben die gleichen Eigenschaften wie die Geräte der Business-Klasse.
+ Leicht, klein und dennoch grosse Leistung
-.Liegt nicht in jeder Hand gut

- Multimedia-Handys: Preis zwischen 600 und 1800 Franken (ohne Abo). Für Leute, die das Büro stets bei sich haben wollen. Das Multitalent erinnert an Termine, verfügt unter anderem über ein Adressverzeichnis und kann Faxe empfangen und versenden.
+ Ein handliches Gerät für alles; Organizer und Telefon zugleich
- Noch kleine Auswahl und teuer


Achten Sie beim einzelnen Gerät auf Folgendes:

- Die Stand-by-Zeit soll nicht unter 100 Stunden liegen, die Gesprächszeit nicht unter vier Stunden.

- Vergleichen Sie die Preise in mehreren Shops. Sie sparen unter Umständen beim gleichen Handy bis zu 100 Franken.

- Nehmen Sie das Gerät in die Hand und testen Sie die Bedienung der wichtigsten Funktionen: telefonieren, Wahlwiederholung, Nummern speichern, Kurzwahl oder SMS.

- Schenken Sie dem Display besondere Beachtung: Ist es gross genug? Sind die Anzeigen gut zu erkennen?

- Erkundigen Sie sich nach der Handy-Strahlung.


Gesellschaft auswählen:

- Informieren Sie sich, welches Abo zu Ihnen passt. Der Artikel ab Seite 10 hilft Ihnen dabei.

- Netz-Abdeckung: Erkundigen Sie sich vor dem Handy-Kauf verbindlich über die Abdeckung des betreffenden Anbieters vor Ort.

- Mindestlaufzeit des Vertrags: Verträge können je nach Anbieter und Tarif 12 oder 24 Monate laufen.

- Vorzeitiger Ausstieg: Sie können aus einem Vertrag aussteigen, müssen aber unter Umständen hohe Kosten in Kauf nehmen. Bei Orange zahlen Sie bis zu 300 Franken. Bei Diax 300 Franken bei einem Einjahresvertrag, 400 Franken bei einem Zweijahresvertrag. Swisscom beharrt auf der Vertragserfüllung.

- Monatliche Kosten: Vor Vertrags-Abschluss rechnen lohnt sich. Die Kosten setzen sich zusammen aus Abo-Gebühr, SIM-Karte (einmaliger Betrag) und Anzahl Gesprächsminuten.



So testete K-Spezial

Das Testteam: Ein Redaktor von K-Spezial und der Handy-Experte Jean-Claude Gerber von www. mobileprofile.ch

Das Kaufgespräch lief überall nach dem gleichenSchema ab: Der Redaktor schilderte seine Bedürfnisse und liess sich vom Verkäufer die Modelle erklären. Das Team achtete darauf, ob der Verkäufer alle in Frage kommenden Handys zeigte. Der Experte hörte beim Gespräch aufmerksam zu.

Nebst einer Kaufempfehlung wollte das Team herausfinden, wie fachkundig die Verkäufer und Verkäuferinnen sind. Es stellte folgende Fragen: Wie funktioniert die Tastatur-Sperre? Was ist Wap - funktioniert der Dienst gut? Gibt es Bedenken wegen der Handy-Strahlung?

01. März 2001


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Kein Problem. Solange der Lehrer dabei ist.
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