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Artikel | K-Tipp 2/2002

Bio-Fisch schwimmt gesund

Neue Analyse: Schweizer Fischzuchten verwenden h?ufig zu viele Mediamente

Jede sechste Forelle aus Schweizer Zucht enth?lt zu viel Malachitgr?n - ein Stoff, der Krebs erregen kann. Die Alternative: Fisch mit Knospe-Label aus dem Bio-Teich.

Pia Seiler pseiler@ktipp.ch

Zuchtfische stammen grossteils aus Massenhaltung. In dicht besetzten Becken dr?ngen sich oft tausende von Fischen. Dass dies nicht unproblematisch ist, zeigt eine neue Analyse der Kantonschemiker: 17 Prozent der untersuchten Fische aus Schweizer Zuchten enthalten zu viele Arzneimittel.

W?hrend also jeder sechste Schweizer Fisch zu viel Antibiotika und Antiparasitika aufweist, ?berschreitet kein einziger getesteter Zuchtfisch aus dem Ausland die Toleranzwerte.

Die Untersuchung umfasst 204 Proben aus Restaurants, L?den und Zuchten, je zur H?lfte Fische aus der Schweiz und dem Ausland.

Die Schweizer Proben, meist Forellen, weisen dabei zu viel Malachitgr?n auf - einzelne bis 70-mal mehr als der Toleranzwert. «Solch stark belastete Best?nde werden gesperrt», sagt Urs M?ller, Pr?sident der Kantonschemiker. Er verschweigt jedoch, welche Zuchten betroffen sind.

Malachitgr?n ist ein Farbstoff, den Z?chter gegen Pilze und Parasiten einsetzen. «Ein problematischer Stoff», so Thomas Wahli, Leiter der Nationalen Fisch-Untersuchungsstelle.

Er kann bei Ratten nachweislich krebserregend und genver?ndernd wirken. Das Antiparasitikum reichert sich im Fisch an und ist laut Wahli kaum abbaubar: «Da gen?gen h?ufig auch sehr lange Absetzfristen nicht.»

«Ein rotes Tuch» sind f?r Urs M?ller zudem die Antibiotika-R?ckst?nde in 17 Proben, wovon eine den Toleranzwert ?berschreitet. Antibiotika sind auch bei der Massenhaltung von H?hnern, Schweinen und K?lbern ein Problem. «Deshalb sollten R?ckst?nde in Lebensmitteln m?glichst gering sein.»

Hermann Spiess, Vizepr?sident der Schweizer Fischz?chter, machen diese Resultate «sehr betroffen». Zu Massnahmen will er sich aber erst ?ussern, wenn er die detaillierten Resultate kennt.

Klartext spricht Urs M?ller. «Gewisse Z?chter gehen mit Arzneien zu grossz?gig um - nach dem Motto: Doppelt angewandt, wirkt es auch doppelt.» Denn: Wird eine Forelle krank, sind bei dichten Best?nden bald einmal alle krank.

Das sei eine Folge der Zuchtbedingungen, sagt Mathias Egloff, langj?hriger Fischerei-Experte beim WWF: «In freier Natur sind Forellen Einzelg?nger und nicht ans Schwarmleben angepasst. Im Zuchtbecken aber haben sie keine R?ckzugsm?glichkeiten, sind gestresst und deshalb noch anf?lliger.»

Es geht jedoch auch anders. Der Verein Fair Fish und Bio-Suisse setzen sich f?r eine artgerechtere Haltung ein. Betriebe mit Bio-Suisse-Richtlinien m?ssen f?r ihre Knospe-Fische die Anzahl Fische pro Kubikmeter Wasser beschr?nken. Die Fliessgeschwindigkeit muss unterschiedlich und die Bodenstruktur abwechslungsreich sein, damit die Fische in ruhigere Zonen ausweichen k?nnen. Und: Malachitgr?n ist verboten. Die Proben aus Bio-Betrieben haben denn auch den Test bestanden.

Noch aber sind Knospe-Fische Mangelware. Lediglich vier der 50 Schweizer Zuchten haben bisher auf Bio umgestellt. Coop bietet die Knospe-Fische an, Migros nicht, und Coop-Sprecher Karl Weisskopf bilanziert: «Die Nachfrage ist massiv gr?sser als das Angebot.»

Bio-Suisse-Chef Christoph Dietler jedoch ist zuversichtlich. «Bio begann in der Erde. Es braucht seine Zeit, bis die Biowelle auch den Fischteich erfasst.»



Labortest - Antibiotikum auch in Crevetten

Auch Crevetten aus tropischen Zuchten weisen Arznei-R?ckst?nde auf. Dies belegt eine neue Untersuchung der deutschen Zeitschrift «?ko-Test».

In 7 von 20 Proben fand das Labor Chloramphenicol - ein in der EU und der Schweiz in Lebensmitteln verbotenes Antibiotikum. Chloramphenicol kann laut «?ko-Test» das Knochenmark sch?digen. Problematisch ist zudem das Restwasser solcher Aquakulturen. Es zerst?rt Mangrovenw?lder und Fischgr?nde.

Die Alternative auch hier: Crevetten mit Bio-Label Knospe, erh?ltlich unter anderem bei Coop. In diesen Zuchten sind Chloramphenicol, sonstige Antibiotika und Chemotherapeutika verboten.

Quelle: ?ko-Test 1/02 am Kiosk f?r Fr. 6.50 erh?ltlich oder unter Tel. 0049 1805 39 39 33 f?r ˆ 6.09.

23. Januar 2002


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