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Artikel | K-Geld 6/2001

Steuergünstige Wundertüte mit Restrisiko

Einmalprämienversicherungen mit garantierter Rendite stehen wieder in der Gunst der Anleger. Wer keine böse Überraschung erleben will, lässt sich aber nicht von den Versprechen der Gesellschaften blenden.

Manch ein Anleger hat sich mit Aktien in den letzten paar Monaten eine blutige Nase geholt. Und der Fall Swissair hat auch Besitzern von Obligationen in Erinnerung gerufen, dass selbst bei solchen vermeintlich sicheren Anlagen ein Restrisiko übrig bleibt.

Kein Wunder also, suchen Investoren heute wieder Anlageprodukte, die eine höhere Sicherheit und Renditekonstanz aufweisen. Die Lebensversicherer machen sich dieses Umfeld zu Nutze: Sie «plagieren» mit den Vorteilen der Einmaleinlage-Versicherung. Das sind in erster Linie die vertraglich garantierte Rendite - je nach Gesellschaft, Abschlussalter und Laufzeit zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr - sowie die Steuerbefreiung der Zinserträge. Letzteres gilt aber nur, wenn die Laufzeit der Einmaleinlage mindestens 5 Jahre beträgt, die Police noch vor dem 66. Geburtstag abgeschlossen wird und die Auszahlung frühestens mit Alter 60 erfolgt. Weiter verlangt der Fiskus, dass Versicherungsnehmer und die in der Police versicherte Person identisch sind.

Gegenüber einer punkto Sicherheit vergleichbaren Obligation hat die Einmaleinlage - netto nach Steuern betrachtet - dank ihrem Steuervorteil meistens die Nase um 1 bis 2 Prozent vorn.


Nicht nur Vorteile: Die Einmaleinlage hat aber nicht nur Vorteile: So wird der gesamte Zinsertrag erst bei Ablauf der Police ausgeschüttet. Damit eignet sie sich nicht für Anleger, die auf jährliche Zinsausschüttungen angewiesen sind.

Ein weiterer Nachteil: Auch wenn die Gesellschaften einen Teil der Rendite garantieren, der Grossteil des Schlussertrages entfällt auf die nicht garantierten Überschüsse.

Wie hoch diese Überschüsse in der Endabrechnung aber tatsächlich ausfallen, hängt in erster Linie vom Anlagegeschick der Gesellschaft und natürlich von der Situation an den Börsen. Policenbesitzer müssen immer wieder schmerzliche Erfahrungen mit Gesellschaften machen, die ihre ursprünglichen Prognosen bei weitem nicht einhalten können.


Geschrumpfte Gewinnerwartung: In Sachen Gewinnprognosen hat zum Beispiel die Providentia den Mund in den letzten Jahren zu voll genommen. Als Folge des frostigen Klimas an den Finanzmärkten muss sie nun per 1. 1. 2002 die Überschüsse auf Einmaleinlagen massiv nach unten korrigieren. «Es wäre wohl unverantwortlich, unseren Kunden uneinlösbare Überschussversprechen abzugeben», erklärt die vorher so optimistisch gestimmte Gesellschaft heute und greift damit gleich selber ihre bisherige Überschusspolitik an. Dabei ist die Providentia noch nicht lange in diesem Geschäft tätig. Besonders stossend ist, dass die Überschusskürzung Personen mit bereits laufenden Verträgen trifft. Damit sind die früher in Aussicht gestellten Renditen nur noch Makulatur.

Auch die erst seit kurzem in diesem Geschäft tätige Groupe Mutuel, zur Hauptsache ein Krankenversicherer, musste stark zurückbuchstabieren. Und dies, obschon die Groupe Mutuel in den letzten Monaten regelmässig an der Spitze der Einmaleinlage-Ranglisten anzutreffen war.

Beide Beispiele zeigen deutlich, dass man die hoffnungsvollen Versprechen der Gesellschaften keinesfalls für bare Münze nehmen sollte. Umsichtige Anleger kalkulieren deshalb bei ihrem Anlageentscheid zu Gunsten einer Einmaleinlage von vornherein eine Überschusskürzung von mindestens einem Drittel mit ein.


Vergleichen lohnt sich: Gut beraten ist auch, wer vor dem Abschluss mehrere Offerten einholt. Die Angebote unterscheiden sich nämlich punkto garantiertem und voraussichtlichem Zinsertrag erheblich. Wer auf Nummer sicher gehen will, schenkt dabei der Höhe des garantierten Erlebensfallkapitals ein grösseres Augenmerk.

An Bedeutung gewinnt auch die Wahl des Vertriebskanals. So sind etwa die Einmaleinlagen der Zürich Versicherung über das Internet-Finanzportal der Credit Suisse (www.cspb.com; ein Direkteinstieg auf den Versicherungsvergleich unter http://insurancelab.cspb.com) deutlich günstiger zu haben als über den Aussendienst der Zürich. Grund dafür sind vor allem die wegfallenden Provisionen der Policenverkäufer.


Fremdabschluss rechnet sich: Darf etwa ein Anleger, der seine Police traditionell via Aussendienst der Zürich abschliesst, bei 10 Jahren Laufzeit heute mit einer ungefähren Rendite von 3,8 Prozent rechnen, sind es beim Abschluss der Zürich-Police via Credit Suisse 0,4 Prozent pro Jahr mehr. Bezogen auf eine Investition von 100 000 Franken bedeutet dies einen Mehrertrag von immerhin rund 5800 Franken in 10 Jahren.

Auch einzelne Finanzberater wie beispielsweise das VZ VermögensZentrum verzichten zu Gunsten ihrer Kunden auf die im Produkt einberechnete Abschlussprovision und stellen ihre effektive Beratungsleistung auf Honorarbasis in Rechnung.

Das schenkt vor allem für Anleger ein, die Einmaleinlagen ab 200 000 Franken machen wollen.

Nicola Waldmeier

01. Dezember 2001


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