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Artikel | saldo 16/2001

McDonald's - Lächeln für 2700 Franken brutto

McDonald's Schweiz beschäftigt rund 6600 glückliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, behauptet die aktuelle Inseratekampagne. Die Wirklichkeit ist allerdings komplizierter.

Nicht nur die pampigen Brötchen, auch die penetrante Fröhlichkeit von McDonald's stammt aus den USA. In der jüngsten Inseratekampagne strahlen jeweils vier namentlich aufgeführte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des weltgrössten Hackfleischbraters in bester Laune. Trotz Stress in der Küche und an der Kasse: «Wir behalten den Spass an der Arbeit», texten die McDonald's-Werber dem munteren Quartett in den Mund. «Wir wollen zeigen, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind und dass es bei uns um mehr geht als ums Burgerbraten», erklärt Pressesprecher Olivier Laube die Kampagne.

saldo wollte wissen, wie es den Angestellten von McDonald's wirklich zumute ist. Im Gespräch, das einzig die Medienstelle vermitteln darf, loben Mitarbeiter beim Drivein Füllinsdorf BL prompt die gute Stimmung: «Die Crew ist wie meine Familie», schwärmt der Tamile Ravi Thamotharampilli (35). Und seine Schweizer Kollegin Nicole Frei (28) doppelt nach: «Auch in der Freizeit unternehmen wir öfters etwas zusammen.»


«Am heutigen Arbeitsplatz verdiene ich das Doppelte»

Weniger euphorisch tönts in einem Betrieb im Mittelland. Auf die Frage, ob er seinen Job weiterempfehlen könne, schüttelt der 28-jährige K. nur den Kopf - schlecht bezahlt und zu viel Stress. «Fragen Sie doch besser beim Postzentrum Härkingen, ob die eine Stelle frei haben», lautet sein Rat. Doch als der Manager auftaucht, putzt er wieder verbissen den Chromstahltresen. Auch die 24-jährige Baslerin L. würde heute nicht mehr für McDonald's Kindergeburtstage zu einem Stundenlohn von 17 Franken brutto organisieren: «An meinem heutigen Arbeitsplatz verdiene ich das Doppelte.»


Viel Überzeit und ausstehende Lohnabrechnungen

Gegen aussen hingegen muckt das Personal kaum auf. So ist es kein Wunder, dass der allgegenwärtige Takeaway-Anbieter den Gewerkschaften nicht über Gebühr auffällt, bestätigt man etwa beim Verband Hotel & Gastro Union. Der gut organisierte Multi habe mit Arbeitsplänen weniger Probleme als ein Kleinbetrieb, wo kurzfristige Einsätze an der Tagesordnung sind. Fällt trotzdem etwas vor, «gibt sich McDonald's Mühe, alles gütlich zu regeln», ist die Erfahrung von Mauro Moretto, Zentralsekretär der Gewerkschaft Unia.

So auch, als dem früheren Mitarbeiter R. der McDonald's-Filiale an der Berner Marktgasse der Geduldsfaden riss: Er musste bis morgens um vier Uhr Frittieröl filtern, wurde dauernd kurzfristig für Zusatzdienste aufgeboten und wartete monatelang auf eine korrekte Salärabrechnung. McDonald's zahlte zwar zwei Monatslöhne, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Doch die Erinnerung an drei Jahre Mobbing bleibt: «Ich habe gelitten», blickt R. frustriert zurück.

Mehr Lohn als branchenüblich offeriert der rotgelbe Brötchengeber nicht. Mit dem jüngst erstrittenen neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag der Branche (LGAV) gilt ab Sommersaison 2002 ein Mindestlohn von 3000 Franken brutto. Doch nicht einmal dieses Salär ist verbindlich: Eine Klausel besagt, dass der Mindestlohn auf 2700 Franken brutto gekürzt werden darf, wenn der Betrieb in einem «förderungsbedürftigen Gebiet im Berggebiet» liegt. Auch der Fast-Fooder wird aber davon Gebrauch machen, bestätigt McDonald's. Grotesk: Selbst Luxuskurorte wie Zermatt, Interlaken und Locarno fallen unter die Ausnahmeklausel. «Unhaltbar», kritisiert Gewerkschafter Mauro Moretto: «Ein existenzsichernder Lohn beträgt brutto 3400 Franken.»


Bei der Bewerbung: Formular enthält unzulässige Fragen

Nicht nur die bereits Angestellten hält McDonald's an der kurzen Leine. Schon wer sich bewirbt, muss heikle Informationen preisgeben. Diskriminierend für Männer ist etwa die Frage nach der «nächsten militärischen Verpflichtung», für Frauen der Punkt «Besteht Schwangerschaft?». Kommentar von Giordano Costa, Mitarbeiter beim Schweizerischen Datenschutzbeauftragten: «Nicht zulässig.» Fragen nach einer Schwangerschaft etwa seien nur erlaubt, wenn es sich um einen Betrieb wie zum Beispiel ein Atomkraftwerk handle, wo gefährliche Strahlen Mutter und Ungeborenes schädigen könnten. Pommesfrites-Dampf hingegen ist wohl harmlos.


McDonald's nimmt die Schelte gelassen

Überflüssig ist zudem ein Passus auf dem Bewerbungsformular, der Details zum Ehegatten und den Kindern einfordert. Ob der Gatte Schweizer sei, ob und wo er arbeite, gehe McDonald's nichts an, sagt Costa. Ebenso wenig Zahl, Name und Alter der Kinder. Erst bei der Anstellung müssten einige dieser Angaben nachgeliefert werden.

McDonald's nimmt die Schelte zum überbordenden Fragebogen aus Bern gelassen. Laut Datenschützer Costa hingegen müsste eine derart grosse Firma von sich aus abklären, was zulässig ist und was nicht: «Personalformulare sind schliesslich für Grossfirmen eine wichtige Visitenkarte.»

Pieter Poldervaart



Bewerbung - Unzulässige Fragen

Beim Bewerbungsgespräch sind nicht alle Fragen erlaubt. Die Auskunftspflicht der Stellensuchenden hat Grenzen. Konkret: Es müssen nur Fragen beantwortet werden, die mit dem Arbeitsverhältnis im direkten Zusammenhang stehen. So sind beispielsweise Fragen aus den Bereichen Gesundheit, Sexualität, Religion oder Politik in der Regel unzulässig. Dasselbe gilt für Fragen etwa nach dem Lohn des Ehepartners, nach einer Schwangerschaft oder der Familienplanung.

Stellt ein Arbeitgeber trotzdem solche unzulässigen Fragen, müssen die Bewerber nicht unbedingt die Antwort verweigern. Das würde möglicherweise die Anstellung gefährden. Sie dürfen notfalls lügen. Dieses so genannte Notwehrrecht der Lüge ist von den Gerichten anerkannt.

12. Oktober 2001


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