|
(0) |
Mit fiesen Tricks locken Sexanbieter im Internet ahnungslose Surfer. Die Folge: horrend teure Telefonrechnungen, die dann die Swisscom gnadenlos einfordert.
Da musste Ernst Häuselmann aus Magden AG zuerst einmal absitzen: Eine Telefonrechnung von 5500 Franken für zwei Monate lag auf dem Tisch. Auffallend war, dass unzählige Male eine ihm unbekannte 0906er-Nummer aufgeführt war. Die Erklärung der Swisscom: Familie Häuselmann habe via Internet teure Sexseiten angeschaut. «Das ist eine Frechheit», sagt Ernst Häuselmann. «Die ganze Familie hätte also zwei Monate im Internet nichts anderes getan als von früh bis spät Sex konsumiert.»
Dutzende von Leuten meldeten sich in den letzten Monaten bei Kassensturz mit der gleichen Geschichte und ebenfalls mit horrend hohen Telefonrechnungen.
Sie sind Opfer von dubiosen Sexnummern-Anbietern geworden. Was früher die 156er-Nummern waren, sind heute die 0906er-Nummern: Zahlungspflichtige Verbindung für erotische Angebote. Nun haben Sexanbieter die 0906er-Zugänge auch für das Internet entdeckt - als alternative Zahlungsart zur Kreditkarte. Sie werben aggressiv für diesen «Sofortzugang» zu einschlägigen Seiten. Sofort Bilder konsumieren, die Rechnung folgt dann mit der Telefonrechnung der Swisscom. Dagegen ist nichts einzuwenden - doch das System hat Fallen.
«Hinterlistige Methoden der Sexanbieter»
«Zum Teil sind die Methoden der Betreiber echt hinterlistig», sagt Peter Heinzmann, Informatikexperte von der Hochschule Rapperswil. Er hat die Tricks analysiert.
Um Zugang zu den eindeutigen Bildern zu erhalten, muss der Surfer eine kostenlose Software, auch Dialer genannt, herunterladen. Das ist eine Sache von wenigen Sekunden. Was sich viele nicht bewusst sind: Diese Software stellt dann eine Internetverbindung über eine 0906er-Nummer her - zu Fr. 4.23 pro Minute. Normales Surfen kostet zwischen 1 und 6 Rappen pro Minute.
- Falle 1: Wer nur mal kurz ins Sexangebot reinschnuppert und dann die Seite wieder verlässt, surft weiter zum extrem teuren Minuten-Tarif von über 4 Franken.
- Falle 2: Noch hinterlistiger ist der Trick gewisser Dialer-Programme: Sie nisten sich unbemerkt in den Internetverbindungen des Computers ein (DFÜ-Verbindungen). Ein falscher Klick des Nutzers, und er surft fortan unbemerkt über die teure 0906er-Verbindung im Netz. Bekannt ist auch, dass es böswillige Software gibt, diesich automatisch als Standardverbindung installiert. Die Folge: Ahnungslos surfen Leute zu einem Preis von unglaublichen 250 Franken pro Stunde.
Fachmann Peter Heinzmann: «Technisch ist beides überhaupt nicht nötig. Seriöse Anbieter unterbrechen die Verbindung, wenn nicht mehr auf dem kostenpflichtigen Bereich gesurft wird.»
Dennoch bleibt die Swisscom beim Geldeintreiben hart. Dies, obwohl sich täglich Kunden über 0906er-Belastungen auf ihrer Rechnung beklagen. Wer nicht zahlt, dem wird die Telefonleitung unterbrochen. «Wenn wir sicher sind, dass die Verbindung geschaltet wurde, dann muss der Kunde bezahlen», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Für heruntergeladene Programme, meint Huber, sei der Kunde selbst verantwortlich.
Pasquale Ferrara
Internet-Falle - So schützen Sie sich richtig
- Die sicherste Variante ist, die 0906er-Nummer für sein Modem zu sperren. Das kann gratis bei der Swisscom über Tel. 0800 800 800 veranlasst werden.
- Die meisten Softwareprogramme (Dialer) müssen irgendwann bewusst heruntergeladen worden sein. Experten empfehlen, grundsätzlich nichts vom Netz herabzuladen, das man nicht zuverlässig kennt. Generell auf Dialer verzichten.
- Es gibt spezielle Programme, die überwachen, welche Verbindungen wie lange aktiviert sind. Nach Eingabe des Grundtarifs ist auch eine Kostenkontrolle möglich. Diese Programme lassen sich gratis auf den PC runterladen: zum Beispiel www.swr3.de/online counter/ oder www.black castle soft.com.
Weitere Informationen unter www.cnlab.ch/kassen sturz.
06. Juni 2001
