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Artikel | saldo 6/2001

Autos - Versteckte Bruderschaft im Markendschungel

Manchen sieht man die Verwandtschaft an, anderen nicht. Tatsache ist, dass immer mehr Autos baugleiche Teile enthalten.

Andere Marke und doch eine frappante ?hnlichkeit: Viele Autos sehen nicht nur fast gleich aus, sondern sind es auch wirklich. Das hat damit zu tun, dass die Entwicklung eines neuen Modells drei bis vier Jahre beansprucht und damit sehr teuer ist. Aus diesem Grund suchen die Hersteller nach M?glichkeiten, um Kosten zu sparen – und verpassen deshalb gern auch mal einer Marke das Chassis und den Motor einer
anderen.


Gleiche Bauart, unterschiedliche Preise

Solches Zusammenarbeiten ist im Autogewerbe mittlerweile gang und g?be. Grund daf?r ist vor allem, dass die sechs grossen Autokonzerne General Motors, Ford, Daimler-Chrysler, To-yota, Renault und Volkswagen insgesamt 50 Marken mit 4000 Modellen in sich vereinen. So kommt es zum Beispiel, dass der Seat Arosa und der VW Lupo letztlich fast identisch sind: Sie unterscheiden sich zwar ?usserlich, weisen aber denselben Motor und dieselbe Plattform, also das gleiche Chassis und den gleichen Boden auf – doch der Seat Arosa kostet 2000 Franken weniger. Warum der Preisunterschied? Dino Graf, Leiter der ?ffentlichkeitsarbeit bei der Amag AG: «Wenn man die beiden Autos vergleicht, wird man feststellen, dass es sich nicht um ?dasselbe? Auto handelt, auch ausstattungsm?ssig.»

Der VW-Konzern, dem auch die Marken Audi, Skoda und Seat angeh?ren, war
der erste, der vor einigen Jahren damit begonnen hat, diese so genannte Plattformstrategie umzusetzen. Deshalb sind beispielsweise der Skoda Octavia, der Audi A3 und der VW Golf in ihrer Bauart fast gleich: Plattform und Motor sind identisch, nur vom Aussehen her unterscheiden sich die Autos.


Zusammenarbeit auch mit der Konkurrenz

Doch baugleiche Wagen finden sich nicht nur innerhalb derselben Konzerne. Manchmal arbeiten Konkurrenten auch zusammen: Das ist etwa der Fall beim Ford Galaxie, dem VW Sharan und dem Seat Alhambra. Diese Vans kommen alle aus derselben Fabrik in Portugal und sehen optisch aus wie Drillinge. Chassis, Fahrwerk, die Art der T?ren und die Bodengruppe sind genau gleich – anders ist einzig die Innenraumgestaltung.

Sozusagen gar Vierlinge produzieren die Autohersteller Fiat, Lancia, Peugeot und Citro?n. Diese werden alle in derselben Fabrik in Frankreich hergestellt und verlassen sie als Fiat Ulysse, Peugeot 806, Lancia Z und Citro?n Evasion. Das Resultat sind vier Vans, die nicht nur auf derselben Plattform aufbauen, sondern auch auf dieselben Serviceteile – zum Beispiel Bremsen – zur?ckgreifen.


Teurere Marken haben kostspielige Extras eingebaut

Preislich bestehen zwischen den vier Vans aber betr?chtliche Unterschiede. Vergleicht man etwa die Modelle mit Zwei-Liter-Motoren und 16 Ventilen miteinander, so stellt man fest, dass der Fiat Ulysse f?r 29 990 Franken zu haben ist. Der Citro?n Evasion Landscape, eine Spezialserie, kommt auf denselben Preis zu stehen. Beim Peugeot 806 betr?gt der handels?bliche Nettopreis 32 660 Franken. Und der Lancia Z kostet 37 000 Franken.

Als Begr?ndung f?r die nicht unwesentliche Preisdifferenz f?hrt die Autoindustrie vor allem die Ausstattung ins Feld. Das heisst: Die teurere Marke hat, neben den vielen baugleichen Teilen, ein paar kostspielige Extras eingebaut. Das ist auch beim Lancia Z so. Oder wie es Walter Fischer von der Fiat Suisse in Z?rich formuliert: «Der Unterschied ist, ob der Kunde einen Lancia m?chte oder nicht.»

Bernadette Scherer

28. März 2001


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