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Artikel | saldo 4/2001

Textilien - Triumphale Niedriglöhne

In Asien arbeiten Tausende von Frauen zu Hungerlöhnen. Davon profitieren auch Schweizer Markenunternehmen - beispielsweise Triumph International.

Mit einem Büstenhalter aus Stacheldraht machte die Clean Clothes Campaign (CCC, Kampagne für saubere Kleider) Ende Januar auf die unzumutbaren Arbeitsbedingungen bei der Unterwäscheproduktion aufmerksam. Im Visier der Anzeigenkampagne: Triumph International mit Hauptsitz in Zurzach AG.

Szenenwechsel: In einem staatlichen Fabrikkomplex in Burma produzieren 1000 Mitarbeitende in einer gewerkschafts- und rechtsfreien Zone Damenunterwäsche. Hilfswerkvertreter können unter dem international geächteten Regime die Arbeitsbedingungen nicht recherchieren, aber ein Papier für Investoren bringt es ans Licht: In der staatseigenen Produktionszone, in der Triumph angesiedelt ist, sind die Löhne erbärmlich tief. Der Monatslohn liegt bei 25 Dollar - bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden.


Produktion stieg an, während die Lohntüte schrumpfte

Verglichen mit den Zuständen in der Militärdiktatur von Burma erscheinen die Arbeitsbedingungen im Industriekomplex von Taguig, der Produktionsstätte von Triumph International Philippines, geradezu idyllisch. Hier surren die Nähmaschinen nur acht Stunden am Tag. Und der Stundenlohn liegt immerhin bei etwas mehr als einem Franken.

Trotzdem erlaubten sich die philippinischen Triumph-Beschäftigten etwas, was unter der Knute des burmesischen Militärs nie möglich wäre: Im November 1999 traten die Frauen und die wenigen männlichen Arbeiter in den Streik. Vor allem eines hatte die Gemüter der 1600 Beschäftigten erhitzt: Die tägliche Produktionsziffer wurde immer weiter nach oben getrieben und die Lohntüte schrumpfte immer mehr zusammen.

"Früher stimmte bei Triumph Aufwand und Ertrag", sagt Gewerkschafterin Amy Pedronan. Noch vor drei Jahren zahlte die Firma mehr als die landesüblichen Löhne. "500 Pesos und mehr lagen für die meisten drin." Nun seien es meist nur noch 300 Pesos pro Tag. Zu wenig zum Überleben in der Metropole Manila: Das Existenzminimum beträgt 460 Pesos (15 Franken). Die Lohnforderung lag damit auf dem Tisch. Statt eines Grundgehaltes von 310 Pesos wollten die Angestellten 460 Pesos. "Das ist durchaus nicht unrealistisch", sagt Amy Pedronan und rechnet vor: 15 Beschäftigte in einer Linie produzieren 300 BHs. Wenn bei jedem BH der Anteil der Arbeitskosten um rund 7 Pesos (21 Rappen) steigt, wäre die erforderliche Lohnsumme erwirtschaftet. Das würde pro BH einen Lohnkostenanteil von 70 Rappen ergeben.

Vier Monate lang verweigerte die Direktion jede Diskussion mit der Gewerkschaft. Einen Hinweis hörten die Streikenden dafür öfter: In Indonesien oder Burma würden die Näherinnen für weit weniger Geld arbeiten.

Für Amy Pedronan ist dies der Skandal: "In der Zeit der Globalisierung werden die tiefsten Hungerlöhne zum allgemeinen Standard für alle."

Die Firma Triumph hält an ihrer Aussage fest, auf den Philippinen "nach wie vor klar überdurchschnittliche Löhne zu zahlen". Und weiter: "Wir erzielen auf den Philippinen zurzeit eine Rendite von 0,3 Prozent. Wenn wir die Lohnforderungen der Gewerkschaften akzeptiert hätten, wäre es zu einer akuten Gefährdung von Arbeitsplätzen gekommen."

Die Monate zogen ins Land, bis schliesslich die Labour Comission des Arbeitsministeriums das Ende der Arbeitsniederlegung verkündete. Alle Streikenden sollten wieder eingestellt werden. Doch Triumph beharrte auf der fristlosen Entlassung der 21 Gewerkschafter, die als Rädelsführer die arbeitswilligen Mitarbeiter nicht ins Werkgelände liessen.


Polizeieinsatz gegen Streikende: 150 Verletzte

Die Beschäftigten traten wieder in den Ausstand. Am 28. Februar 2000 erschien die Polizei. "Sie haben auf uns eingeschlagen, Tränengas eingesetzt, und zum Schluss zählten wir 150 Verletzte", erinnert sich Amy Pedronan.

Zum Vorwurf, vorwiegend in Ländern mit autoritären Regimes zu produzieren, meint Triumph: "Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Märkte, in die Politik mischen wir uns nicht ein und lassen uns auch nicht von ihr instrumentalisieren."

Andere Schweizer Firmen gehen da einen andern Weg. Migros, Veillon und Switcher (Mabrouc SA.) kooperieren mit der Clean Clothes Campaign, um in Zukunft "saubere" Kleider in ihren Sortimenten garantieren zu können.

Delf Bucher

28. Februar 2001


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