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Der Chirurg sitzt an der Steuerkonsole, der Roboter macht die "Handarbeit". Keine Science-Fiction, sondern heute schon Realität.
Chirurg Jan Kukleta, Spezialist für endoskopische Bauchoperationen in der Zürcher Klinik Im Park, hat zwei ungewöhnliche Helfer. Der Roboterarm Aesop hält ruhig und unermüdlich die Minikamera, während sich der Steuerungscomputer Hermes um die Überwachung zahlreicher Funktionen kümmert, wie zum Beispiel des Gasdruckes im Bauchraum des Patienten. Beide Geräte verstehen Englisch und gehorchen Jan Kukleta aufs Wort. "Camera up - stop - camera down - light off."
Operationsroboter: Durchbruch in Sachen Präzision
Der Chirurg möchte seine Computerassistenten nicht mehr missen. Entscheidend für ihn ist seine eigene verbesserte Leistungsfähigkeit: "Die Konzentration ist besser, die ganze Atmosphäre im Operationssaal ist ruhiger."
Ähnlich tönt es im Kantonsspital Bruderholz. Dort reden orthopädische Chirurgen von einem Durchbruch in Sachen Präzision bei ihrer Operationstechnik. Künstliche Hüftpfannen sollen dank dem Navigationssystem Surgigate millimetergenau dem Knochen angepasst werden können. Der Arzt setzt die Fräse an, Infrarotsensoren erfassen ihre Position, der Computer gibt grünes Licht, wenn alle Winkel stimmen. Heisst das, dass herkömmliche Operationsmethoden ungenügend sind? "Nein", dementiert Chefarzt PD Dr. Niklaus Friederich. "Wir können damit unsere herkömmlichen Methoden überprüfen. Doch wir streben eine perfekte Operation an."
Äusserste Perfektion wird auch in der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Universitätsspitals Zürich angestrebt. Dafür steht Roboter da Vinci bereit. Er soll in Zukunft Patienten an den Herzkranzgefässen operieren, ebenfalls nach der Knopflochmethode: Der Operateur sitzt an einer Steuerkonsole, blickt auf ein 3-D-Bild aus dem Innern des Brustkorbes und führt mit Joysticks drei Roboterarme. Der Arzt sieht alles zehnfach vergrössert, kann zitterfrei feinste Strukturen operieren. Chefarzt Prof. Marko Turina sieht klare Vorteile für die Patienten, etwa weniger Schmerzen dank nur drei kleinen Schnitten zwischen den Rippen.
"Die Investitionen müssen dem Patienten nützen"
Doch wie gross ist der effektive Nutzen von Roboter und Computer? "Die hohen Investitionen müssen dem Patienten etwas nützen, etwa durch kürzere Spitalaufenthalte oder weniger Komplikationen", fordert der Spezialist für Nutzenforschung Dr. Luzi Dubs. "Doch dazu fehlen noch die Studien."
Jan Kukleta ist überzeugt, dass verschiedene Abläufe in den Operationssälen verbessert und Personal eingespart werden könnte. Doch auch die beste Technik wird den operierenden Arzt nie ersetzen. "Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient darf nicht unter dem Glauben an die alles vermögende Technik leiden", betont Dubs.
Urs Sloksnath
14. Februar 2001
