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Artikel | saldo 2/2001

Post: Trotz Preisaufschlag günstiger als Private

Neue Paketpreise, neue Lieferzeiten: saldo stellte die Pünktlichkeit der Post auf die Probe. Über 90 Prozent der Pakete kamen rechtzeitig an.

Radikalkur bei der Post: Jährlich sollen 100 Millionen eingespart und bis 2006 rund 800 Poststellen geschlossen sowie 500 Vollstellen abgebaut werden - ohne dabei den Service Publique zu schwächen, wie die Verantwortlichen unlängst erklärten. Dabei wartete der gelbe Riese bereits am 1. Januar mit massiven Preisaufschlägen bei Brief- und Paketversand auf: Allein bei den Paketen wurden die Tarife um 10 bis 30 Prozent angehoben. Vergleicht man den neuen 24-Stunden-Service mit dem alten, mehrtägigen, beträgt die Differenz bis zu 80 Prozent. Happige Preise, die mithelfen sollen, das Defizit der Paketpost zu senken. Dieses betrug 1999 laut Postpressesprecher Oliver Flüeler 214 Millionen Franken.

So kostet nun ein Kleinpaket bis 2 Kilo im Normalversand (neu Postpac Economy genannt) Fr. 5.- statt Fr. 3.80, ein schwereres ist 1 bis 3 Franken teurer als im Vorjahr. Soll es jedoch bereits am nächsten Morgen am Zielort sein, kostet dies mit dem neuen Postpac Priority einen Zweifränkler mehr.

Ist aber der teurere Versand tatsächlich so schnell? saldo machte Stichproben und gab kurz vor 12 Uhr - der letzten Aufgabemöglichkeit für Postpac Priority - 45 Kleinpakete in und um Zürich auf. Das Versprechen einer Postangestellten: Die Pakete sollten anderntags bis Mittag zugestellt sein.


41 von 45 Priority-Sendungen korrekt ausgeliefert

Das Resultat: Von den in die ganze Schweiz mit privatem Absender verschickten 45 Priority-Sendungen wurden 41 am nächsten Morgen mit der normalen Post vertragen. Die ersten Pakete trafen um 8.30 Uhr in Mauren FL und um 8.45 Uhr in Les Ponts-de-Martel NE ein.

Zwei Sendungen schafften die 24-Stunden-Hürde nicht: Eine St. Galler Adresse wurde um 13 Uhr beliefert, und der Pöstler in Buchs SG musste um 14.10 Uhr ausrücken. Zwei Pakete hatten einen Tag Verspätung: eines in Kreuzlingen TG und eines auf der Strecke von Zürich nach Zürich. Immerhin eine Verspätungsrate von 9 Prozent.

Dies allerdings relativiert Postpressesprecher Hubert Staffelbach: "Beim Priority-Service versprechen wir lediglich, dass die Sendungen am nächsten Werktag ankommen. Das Gros der Pakete wird am Morgen ausgeliefert. Es kann aber sein, dass vereinzelt erst am Nachmittag zugestellt wird." Und was die beiden Verspätungen um einen Tag betrifft, so konnte die Post anhand der Strich-codes nur ein Paket nicht bis zum Zustellungstermin verfolgen. Staffelbachs Fazit: Von 45 Paketen wurden 44 termingerecht abgeliefert.


Swiss Express funktioniert problemlos

Schneller als mit Postpac Priority gehts bei der Post mit Swiss Express. Auch hier hat saldo je zehn Kleinpakete verschickt. Allerdings wurden beim so genannten Express Blitz (Aufgabe an ausgewählten Schaltern bis 12 Uhr, Auslieferung bis 17 Uhr, 24 Franken für Kleinpakete bis 2 Kilo) nur deren acht angenommen. Die zuvorkommende Schalterbeamtin wies darauf hin, dass fünf Arbeitsstunden für Pakete nach Genf und Rüthi SG nicht ausreichen würden. Dafür klingelte der Pöstler mit dem ersten Blitz-Paket bereits um 15.15 Uhr in Neuhausen SH, und auch die anderen sieben kamen vor 17 Uhr an. Von den Express-Sonne-Sendungen (Aufgabe an ausgewählten Schaltern bis 12 Uhr, Auslieferung bis 21 Uhr, 19 Franken bis 2 Kilo) kamen alle zehn lange vor Termin an. Eines war sogar bereits um 16.23 Uhr am Basler Zielort, die letzten kamen gegen 19 Uhr in Adelboden und Davos an.

Nur beim Versand mit Express Mond (Aufgabe bis Schalterschluss, Auslieferung bis 9 Uhr, Fr. 16.50 bis 2 Kilo) kam ein Paket gemäss Empfänger erst um 9.30 Uhr im Briefkasten in Caslano TI an. Was die Post bestreitet: Laut Pressesprecher Staffelbach wurde bei diesem Paket eine elektronische und vom Posthalter bestätigte Zustellzeit vor 9 Uhr eruiert. Kleines Detail: Auf einer Sendung nach Pregassona TI war eine alte Adresse angegeben, woraufhin der Pöstler beim neuen Wohnort in Lugano anrief und das Paket ankündigte. Rechnet man die halbe Stunde Verspätung nicht, so kamen alle Expresssendungen termingerecht an.


Andere Anbieter erst über 2 Kilo auf dem Markt

Alles in allem keine schlechte Leistung der Post. Der Service Public scheint zu spielen. Und: Auch wenn die Preise gestiegen sind, bleibt die Post beim nationalen Paketversand für Privatkunden günstiger als andere Anbieter. Zwar hat die Post das Monopol für Kleinpakete bis 2 Kilo inne, muss sich aber darüber hinaus mit National Express TNT (ein Jointventure der Post mit einem international tätigen niederländischen Anbieter), dem Euro Express der deutschen Post oder der United Parcel Service UPS messen. Die Homepage www.saldo.bbb.ch zeigt die verschiedenen Tarife an, sobald Grösse, Gewicht, Aufgabe- und Zielort eingegeben werden. saldo hat auch hier einzelne Stichproben gemacht.

Das Fazit: Konkurrenziert wird die Post vor allem in den Städten, bleibt aber preislich ungeschlagen. Die Mitanbieter sind aber nur wenig teurer. (Postpac Priority Fr. 9.- für ein 4-Kilo-Paket, TNT Fr. 14.50, Euro Express Fr. 10.20). Diese konzentrieren sich meist auf die mengenmässig interessanten Geschäftskunden oder den internationalen Versand. Euro Express etwa wird ab 20 Sendungen pro Woche aktiv.

Je schneller der Kurier, desto teurer wirds. Auch bei der Post, die mit ihrem Tür-zu-Tür-Angebot Swiss Kurier in entlegenen Gebieten mit happigen Preisen aufwartet (179 Franken für die Strecke Zermatt-St. Gallen), dafür aber am schnellsten ist. UPS, der nach eigenen Angaben jedes Päckchen überall abholt, braucht für lange Distanzen mehr Zeit, macht dafür auf kurzen Strecken und im Städteverkehr von Zürich, Basel, Genf, Lugano und Bern an Boden gut. Ihr Service (Annahme bis 19 Uhr, Auslieferung bis 10.30 Uhr) kostet leicht mehr als der vergleichbare Express-Mond-Service der Post (Fr. 18.50). Dafür wird das Paket abgeholt.

Melanie Herr

Informationen: Post Kurierdienst: Tel. 0800 88 88 88; TNT: Tel. 0800 55 55 55, Euro Express: Tel. 0848 880 770, UPS: Tel. 0800 55 88 33.



Internet-Services / Tarifvergleich auf www.saldo.bbb.ch

Paketinfo ist die neueste Dienstleistung der Berne Byte Bears auf der saldo-Homepage: Unter www.saldo.bbb.ch lassen sich Kosten und Laufzeiten der verschiedenen Paket- und Kurierdienste für nationale und internationale Sendungen vergleichen. Die Homepage enthält die Dienste der schweizerischen Post, der deutschen Post (Euro Express), von DHL, Fedex, TNT und UPS. Paketinfo berechnet die entsprechenden Tarife nach Angaben des Gewichts, der Abmessungen sowie des Start- und Zielorts der Sendung. Für Pakete innerhalb der Schweiz wird zusätzlich unterschieden, ob die Laufzeit weniger als 24 Stunden (Kurierdienst) oder mehr (Paketdienst) betragen soll.

Neben dem Tarifvergleich für Paketauslieferungen werden unter www. saldo.bbb.ch ausserdem folgende Kostenvergleiche angeboten: Telefongebühren (Mobil- und Festnetz), Courtagen im Aktienhandel, Krankenkassenprämien sowie Internet-Provider-Kosten.

31. Januar 2001


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