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Artikel | saldo 1/2001

Rinderwahnsinn - Nicht nur Fleisch birgt Risiken

Rinderbestandteile kommen in vielen Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kosmetika vor. saldo sagt, wie hoch das BSE-Ansteckungsrisiko ist.

° Joghurt, Frischkäse und Glacé sind kein Grund zur Beunruhigung. Selbst in der Milch von BSE-erkrankten Kühen konnten keine Erreger nachgewiesen werden. Joghurt und andere Milchprodukte enthalten aber Gelatine (saldo 7/00). In der Schweiz muss diese jetzt zu 100 Prozent aus Schweineschwarten hergestellt werden, so Sabine Kraut vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Damit ist ein Ansteckungsrisiko sehr unwahrscheinlich.

In Deutschland können noch bis zu zehn Prozent der Gelatine von Rindern stammen. Eigentlich wären diese Lebensmittel in der Schweiz nicht mehr zugelassen, doch die Kontrolle ist laut Sabine Kraut schwierig.

Ein Rat beim Einkaufen: Die Deklaration der Lebensmittel genau lesen. Einige Hersteller sind auf pflanzliche Gelatine-Ersatzstoffe wie Pektin, Johannisbrotkern- oder Guarkernmehl ausgewichen.

° Hart- und Weichkäse: Sie enthalten zum grossen Teil natürliches Kalberlab. Bis jetzt ist kein BSE-Risiko bekannt.

° Bouillonextrakt: Fleischbrühe wird aus risikoarmem Muskelfleisch hergestellt. Wer ganz sicher gehen will, kann auf pflanzliche Produkte ausweichen.

° Blutkonserven: Forscher des britischen Institute for Animal Health veröffentlichten Ende 2000 eine Studie, die für eine mögliche Ansteckung mit BSE durch infiziertes Blut spricht. Als Konsequenz hat der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes entschieden, alle Personen, die von 1980 bis 1996 länger als sechs Monate in England gelebt haben, nicht mehr zum Blutspenden zuzulassen.

Eine weitere Vorsichtsmassnahme: In der Schweiz werden die weissen Blutkörperchen - also die mutmasslichen Träger des BSE-Erregers - bei allen neuen Blutspenden eliminiert.

° Impfungen: Bei der Züchtung von Impfstoffen werden Nährlösungen aus Rinderserum beigemischt. Seit 1990 darf in der Schweiz kein Material mehr von britischen Rindern verwendet werden.

° Medikamente: Kapseln werden aus Schweine- und Rinder- sowie teilweise Fisch-Gelatine hergestellt. Felix Räber von Novartis: "Wir beziehen Gelatine von verschiedenen internationalen Herstellern. Wir haben sichergestellt, dass sich diese an die EU-Vorschriften halten."

Viele Medikamente enthalten Rindermaterialien. All diese Arzneimittel unterstehen gemäss BAG strengen Sicherheitsanforderungen. Der BSE-Erreger wird durch eine spezielle Behandlung abgetötet.

Das Insulin für Diabetiker ist unproblematisch: Es stammt laut Jean-Christophe Méroz von der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel IKS von Schweinen.

° Kosmetika: Sie enthalten oft Collagen oder Placenta-Extrakte. Doch in fötalem und Gebärmutter-Gewebe von Rindern konnten bisher keine BSE-Erreger nachgewiesen werden. Auch ist die Ansteckungsgefahr bei äusserlich aufgetragenen Substanzen gering. Tipp: Ausweichen auf pflanzliche Produkte.

° Operationen: Um die Gefahr einer Übertragung zu verhindern, soll künftig bei Eingriffen an Hirn und Rückenmark Einwegbesteck verwendet werden.

Trotz BSE nähen noch immer einige Chirurgen die Operationsnähte mit Fäden aus Rinderdarm. Diese sind seit 1990 als Lebensmittel verboten. Die so genannten Katgut-Fäden lösen sich im Körper des Patienten auf. Verwendet werden sie aber immer weniger, hauptsächlich noch von älteren Chirurgen. Ihre Begründung: Gute Knüpfeigenschaften.

Max Fischer

17. Januar 2001


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