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Artikel | Gesundheits-Tipp 6+7/2000

Neue Rheuma-Mittel: Zu früh hochgejubelt

Die neuen Entzündungshemmer Celebrex und Vioxx sind keine "Wundermittel" in der Rheumatherapie.

Herkömmliche Rheuma-Medikamente lindern zwar Schmerzen - sie schaden aber häufig dem Magen. Zwei neue Mittel versprachen Abhilfe. Doch die hochgeschraubten Erwartungen haben sich nicht erfüllt.

Edith Probst verliert die Hoffnung. Seit über 20 Jahren leidet die heute 65-jährige Zürcherin an Polyarthritis. Der Schmerz zwang sie, hohe Dosen des Medikaments Ponstan einzunehmen. Nach einem halben Jahr stellten sich chronische Magen- und Darmgeschwüre ein, die Edith Probst noch heute plagen.

Vor einem Monat erhielt sie in der Schmerzklinik Bethanien erstmals Celebrex. Celebrex ist ein neues Rheumamittel, das nach Angaben seiner Hersteller den Magen schont. Doch Edith Probst ist enttäuscht von dem neuen Medikament. Sie lebt jetzt mit ständigem Magenbrennen und Brechreiz. "Seit vier Wochen habe ich andauernd das Gefühl, mich übergeben zu müssen", klagt Probst. Am liebsten würde sie Celebrex gleich wieder absetzen. Doch ihr Arzt will, dass sie noch zwei oder drei Monate durchhält. "Er hofft noch, dass die Übelkeit aufhört."

Ein anderer Fall: Else Stern aus Vinelz BE leidet an einer Arthrose der Lendenwirbel. Gegen die Schmerzen bekam die Bankangestellte anfangs das kortisonähnliche Mittel Spiricort. Nach einem Jahr rebellierte ihr Magen. Diagnose: Chronische Entzündung von Speiseröhre und Magenwänden Die Schmerzmittel, die sie gegen ihre Arthrose einnehmen muss, verträgt Else Stern seither nur noch, wenn sie vorher das Magenschutz-Medikament Agopton geschluckt hat.

Im Fernsehen hörte sie von der neuen Möglichkeit, Schmerz und Entzündung mit Celebrex magenschonend zu bekämpfen. Else Stern liess sich das Mittel verschreiben. Sie habe gute Erfahrungen, sagt sie - zumindest bei leichteren Schmerzen. "Wenn es richtig heftig wird, brauche ich etwas Stärkeres." Ihr Magenschutzmittel hat Else Stern trotzdem nicht abgesetzt. Zu gross ist ihre Angst, dass sich die Entzündung wieder bemerkbar machen könnte. "Niemand kann sich diese Schmerzen vorstellen", sagt sie. "Es ist, als ob der Magen in Flammen steht."


Neue Erkenntnisseweckten Hoffnungen

Diese Beispiele erstaunen: Denn das Rheuma-Medikament Celebrex, das gemeinsam von den US-Pharmafirmen Searle und Pfizer vermarktet wird, und das Konkurrenzprodukt Vioxx von MSD sollten eigentlich Schluss machen mit der Angst vor Magengeschwüren bei Schmerzpatienten. Beide Präparate verhindern, dass das Enzym Cox 2 seine Wirkung entfaltet. Cox 2 ist im Körper vor allem an Stellen vorhanden, die entzündet sind und schmerzen. Wo es verschwindet, geht die Entzündung zurück. Cox 2 hat aber noch eine "grosse Schwester", Cox 1 genannt. Cox 1 funktioniert als eine Art Hausmeister im Körper. Unter anderem schützt es den Magen, wenn fremde Stoffe ihn angreifen.

Alte Rheuma-Präparate, wie etwa Brufen oder Ponstan, bekämpfen unterschiedslos beide Cox-Unterarten. Sie vertreiben Entzündung und Schmerzen, setzen aber auch Cox 1 ausser Gefecht. Die Folge sind bei langjährigen Schmerzpatienten oft Magengeschwüre und Blutungen, die tödlich enden können. Diesen Kreislauf sollten Celebrex und Vioxx beenden. Denn, so die Versprechungen der Hersteller, sie machen nur Cox 2 den Garaus und lassen das schützende Cox 1 in Frieden.

An diese Entdeckung knüpften sich hoch gespannte Erwartungen. "Wunderpillen gegen Schmerzen" und "Keine Magengeschwüre mehr" lauteten letztes Jahr die Schlagzeilen in unkritischen Medien wie "Blick" und "Gesundheits-Sprechstunde". Celebrex und Vioxx erreichten bis Ende 1999 einen Marktanteil von knapp unter zwanzig Prozent in der Schweiz.


Negative Aspektenur gestreift

Auch in den USA liessen sich die Medien für die neuen Mittel einspannen. Sie hätten "die positiven Seiten der Präparate zu stark hervorgehoben", die "Ungewissheiten unter den Tisch fallen lassen" und "negative Aspekte höchstens in Nebensätzen gestreift", kritisierte die Medizinexpertin Trudy Lieberman im Fachblatt "Columbia Journalism Review". Lieberman wies nach, dass in einigen Fernsehberichten Mediz

26. Mai 2000


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