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Artikel | saldo 3/2000

Pensionskassen - Nachhaltige Vorsorge

Pensionskassen sollen vermehrt auf Firmen Einfluss nehmen. Doch entsprechende Vorschläge drohen zu versanden.

Als der Winterthurer Industriekonzern Sulzer im Oktober 1999 ankündigte, dass er in der Schweiz bis zu 700 Angestellte entlassen werde, applaudierte die Börse mit einem Kurssprung der Sulzer-Aktien.

Immer mehr kritische Anleger lehnen dieses kurzfristige Aktionärsdenken ab und investieren ihr Geld langfristig in Firmen, die nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch Überdurchschnittliches leisten.

Fonds, die in solche nachhaltige Unternehmen investieren, erfreuen sich grosser Beliebtheit. Und: Sie nehmen teilweise ihre Aktionärsrechte wahr, um auf eine gerechtere und umweltbewusstere Wirtschaft hinzuwirken.

So machte der Swissca Green Invest, ein Ökofonds der Kantonalbanken, erst kürzlich Druck auf eine deutsche Bank, die ein umstrittenes Staudamm-Projekt in Indien finanzieren wollte. Auch als ABB und Sulzer sich an einem fragwürdigen Kraftwerkprojekt in der Türkei beteiligten, suchten verschiedene Ökofonds mit diesen Firmen das Gespräch.

Doch für das Gros der Pensionskassen, die Milliarden an der Börse in Aktien anlegen, spielen ökologische oder soziale Aspekte bei der Geldanlage praktisch keine Rolle. Für die Pensionskassen-Manager steht vor allem die Performance auf den verwalteten Geldern im Vordergrund. Colette Nova, Sekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), findet es "absurd, dass die Pensionskassen die Interessen der Versicherten rein finanziell verstehen und deswegen eine kurzfristige Anlagepolitik betreiben". Denn diese laufe darauf hinaus, dass Arbeitsplätze abgebaut werden.
Damit träfen die Vorsorgeinstitutionen letztlich ihre eigenen Versicherten.


Nachhaltiges Wirtschaften soll wichtiger werden

Der SGB will das ändern und hat deshalb in die laufende Revision des Gesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) verschiedene Forderungen eingebracht. Im Vordergrund stehen zwei Punkte:

- Die Anlagestrategien der Pensionskassen sollen transparenter werden.
- Die Vorsorgeeinrichtungen sollen ihre Beteiligungsrechte als Aktionäre aktiv ausüben.

Das Ziel: "Die Rolle der Pensionskassen bei der Beeinflussung der Wirtschaft in Richtung nachhaltigeres Wirtschaften soll in Zukunft wichtiger werden," sagt Nova. Kämen die vorgeschlagenen Regeln ins Gesetz, so werde es innerhalb der Stiftungs-räte der Kassen zu Diskussionen über eine sinnvolle langfristige Anlagepolitik kommen.

Doch die Forderungen des SGB drohen ungehört im Sand zu verlaufen. Am 16. Februar wird der Bundesrat die Botschaft zur Änderung des BVG-Gesetzes präsentieren, von mehr Transparenz oder aktiverer Politik der Pensionskassen wird darin aber keine Rede sein. So hoffen die Gewerkschaften auf die parlamentarischen Beratungen des Gesetzes im Frühjahr.


Vorreiter England: Neues Gesetz ab Mitte dieses Jahres

Was der SGB realisieren möchte, ist in Grossbritannien bereits Tatsache: Ab Juli dieses Jahres müssen die britischen Pensionskassen kundtun, inwiefern sie bei ihrer Anlagepolitik soziale, ökologische oder ethische Kriterien berücksichtigen. Laut Gesetz müssen sie auch öffentlich machen, ob und wie sie an den Aktionärsversammlungen von ihren Mitbestimmungsrechten Gebrauch machen. Seit es dieses Gesetz gibt, sind nachhaltige Geld-Anlagen bei den Pensionskassen plötzlich ein Thema.

Auch die britischen Pensionskassenmitglieder sind mehrheitlich zufrieden: 70 Prozent befürworten das Gesetz. 54 Prozent wollen, dass ihre Pensionskasse in Unternehmen investiert, deren Leistungen im Umweltschutz überdurchschnittlich sind.


Firmen mit gutem Umweltverhalten schneiden besser ab

Eine solche Anlagepolitik würde sich auf die Pensionskassengelder nicht negativ auswirken. Ganz im Gegenteil: Die Münchner Oekom-Research beispielsweise hat berechnet, dass Firmen mit einem Umweltverhalten über dem Durchschnitt an der Börse rund 12 Prozentpunkte besser abschneiden als ökologisch unterdurchschnittliche Firmen. Auch die Basler Bank Sarasin hat in einer Studie einen positiven Zusammenhang zwis

16. Februar 2000


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Pensionskassen - Nachhaltige Vorsorge
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