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Test | saldo 16/2007

Haarfärbemittel

Von 20 Intensivtönungen erreichen im saldo-Test nur 2 ein «genügend». Alle anderen sind nicht empfehlenswert. Sie enthalten einen bedenklichen Gift-Cocktail.

Auf den Packungen versprechen die Hersteller «Sanftheit» und betonen, dass ihre Produkte «ohne Ammoniak» auskommen. Man könnte glauben, sein Haar mit  Intensivtönungen schonender zu färben als mit permanenten Haarfärbemitteln.

Aber auch in den Intensivtönungen steckt ein bedenklicher Gift-Cocktail mit hohem Allergiepotenzial. Das zeigt der saldo-Test: Nur 2 von 20 Produkten erreichen die Note «genügend». Mit «ungenügend» wurden Produkte bewertet, bei denen mehrere  problematische Inhaltsstoffe gefunden wurden und einzelne davon in höheren Konzentrationen vorkamen.

Im Vergleich mit permanenten Haarfärbemitteln unterscheiden sich die Intensivtönungen bezüglich Inhaltsstoffen nur wenig.


Ein EU-Ausschuss warnte vor einigen Substanzen

Der Unterschied: Das von saldo beauftragte Labor CTL in Bielefeld fand in den Intensivtönungen einzig weniger Wasserstoffperoxid als bei
einem Test der dauerhaften Haarfarben des «K-Tipp»  (Ausgabe 7/07).

Ob die Farbe so lange wie versprochen hält oder der Farbton den Angaben auf der Verpackung entspricht, hat saldo nicht untersucht. Im Test ging es darum, die meistverkauften Produkte der verschiedenen Farbtöne auf bedenkliche Inhaltsstoffe zu analysieren (siehe Kasten). Neben Produkten aus dem Detailhandel waren auch zwei Coiffeurlinien in der Auswahl.

Die heute in der Schweiz geltenden Grenzwerte sind mit denjenigen der EU vergleichbar. Die EU-Kommission überarbeitet aber zurzeit zusammen mit Herstellern die Grenzwerte für die Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln. Die Hersteller können dabei einen Grenzwert vorschlagen und ihn wissenschaftlich begründen.

Immerhin: Der zuständige EU-Ausschuss seinerseits hat vor einigen Substanzen gewarnt (darunter 2,5-Toluylendiamin, m-Aminophenol, p-Phenylendiamin). Ob die EU-Kommission aber bei der Festlegung neuer Grenzwerte die Meinung des Ausschusses berücksichtigt, ist offen.


Farbton blond: Enthält nur wenige Farbstoffe

Dass die heutigen Grenzwerte hoch sind, hielt das Kantonslabor Basel-Stadt bereits vor Jahren fest: Würden die Hersteller den Grenzwert für p-Phenylendiamin ausschöpfen und wäre das Produkt kein Kosmetikum, dürfte die Abgabe nur gegen Unterschrift erfolgen, heisst es im Jahresbericht 2001. Das Färbemittel müsste der Giftklasse 3 zugeordnet werden.

Zwei Produkte im Test kommen mit wenigen der untersuchten Substanzen aus. Das liegt aber auch am Farbton blond. Je nach Farbnuance sind nur wenige Farbstoffe enthalten. Dafür zum Teil mehr Wasserstoffperoxid, das die natürlichen Farbpigmente der Haare aufhellt. Allgemein gilt: Je dunkler der Farbton, desto höher das Allergierisiko.

Wasserstoffperoxid hellt das Haar nicht nur auf, es lässt es auch aufquellen. So können die Farbstoffe ins Haar eindringen. Der tiefere Gehalt an Wasserstoffperoxid macht den Unterschied zu permanenten Färbemitteln aus. Die Farbe durchdringt das Haar nicht so stark. Das Prinzip ist aber dasselbe. Bei Haartönungen hingegen lagert sich die Farbe nur ans Haar an. Also sind Intensivtönungen gar keine Tönungen.

Schon heute schreibt das Gesetz vor, dass die Hersteller von Intensivtönungen Warnhinweise auf der Packung anbringen müssen. Die Hersteller erfüllen diese Vorgaben unterschiedlich konsequent. Nur L’Oréal druckt den Hinweis vorne auf die Packung.


Hersteller stufen ihre Produkte als unbedenklich ein

Zu den saldo-Resultaten schreibt Hersteller Goldwell, aufgrund der Ergebnisse «unabhängiger» Forschung seien die Produkte «unbedenklich». Goldwell wollte die Ergebnisse der Studien aber nicht herausgeben. Wella und Migros sehen keine Möglichkeit, die getesteten Substanzen zu reduzieren. Ohne diese Stoffe könne keine Intensivtönung hergestellt werden. Bei Schwarzkopf heisst es, Haarfarben seien bei sachgemässem Gebrauch sicher für den Konsumenten. Zudem habe das eigene Labor andere Werte gemessen als saldo.

L’Oréal erklärt, die Produkte entsprächen der Gesetzgebung, und verweist auf die Risikohinweise auf Verpackung und Bedienungsanleitung.

 
So wurde getestet

Das Labor hat die semipermanenten Färbemittel der Stufe 2 auf folgende Substanzen untersucht (in Klammern steht der Grenzwert aus der Kosmetikverordnung):

-2,5-Toluylendiamin: Ist stark allergieauslösend und steht im Verdacht, Krebs zu erregen (10 Prozent).
-m-Aminophenol: Kann ebenfalls Allergien auslösen (2 Prozent).
-p-Phenylendiamin: Ist stark allergen und steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen (6 Prozent).
-Resorcin und 2-Methylresorcin: Verfügen über ein hohes Allergiepotenzial (5 Prozent respektive 2 Prozent).
-Wasserstoffperoxid: Ist ebenfalls allergieauslösend (12 Prozent).

 
13 Tipps von der Coiffeuse

Wer sich die Haare selber färben will, sollte einige Vorbereitungen treffen. Die Coiffeuse Michèle Schweingruber ist Spezialistin für Haarfarben und gibt Tipps, wie Sie am besten vorgehen:

-Grundsätzlich: Die Packungsbeilage gut durchlesen und streng nach Anweisung vorgehen.
-Wer sich vor Allergien fürchtet, macht den Selbsttest: 24 Stunden vor dem Färben ein wenig Farbe in die Armbeuge streichen. Bei einer Rötung der Haut ist mit einer Allergie zu rechnen.
-Zum Auftragen der Farbe Pinsel und Schale verwenden, zum Verteilen einen groben Kamm benützen. Wer auch am Hinterkopf ein optimales Ergebnis erzielen will: Zu zweit gehts besser.
-Färben und Tönen belastet das Haar. Mitgelieferte Pflegespülung unbedingt anwenden. Mit den Haarfarben massvoll umgehen.
-Hände mit Plastikhandschuhen schützen. Für mehr Feingefühl etwa bei Strähnen Latex-Handschuhe verwenden.
-Auch Kleider und Möbel müssen abgedeckt werden. Die Farbe lässt sich kaum entfernen. Mit einem alten Tuch um den Kopf verhindert man, dass die Farbe den Hals hinunterläuft oder tropft. Wer sich nach dem Färben schlafen legt, sollte die Bettwäsche schützen. Die Tönung kann abfärben.
-Die Haut beim Haaransatz und die Ohren mit fetthaltiger Creme einschmieren. So dringt die Farbe nicht in die Haut ein.
-Bei Kindern auf permanente Färbemittel verzichten.
-Kommt Farbe in die Augen, diese sofort ausspülen.
-Vor allem wer bereits gefärbte Haare umfärben will oder starke Farbveränderungen anstrebt, sollte sich vom Verkaufspersonal beraten lassen.
-Wahl der Farbe: Das Färbresultat hängt wesentlich davon ab, wie dick das Haar ist. Dünnes Haar wird oft dunkler als dickes. Auch nimmt nicht jedes graue Haar die Farbe gleich gut an.
-Beim Nachfärben des Haaransatzes die Farbe von vorne nach hinten auftragen. Dann das Haar anfeuchten und die Farbe mit den Händen in die Spitzen ziehen. So wird eine Auffrischung der Farbe im ganzen Haar erzielt.
-Ab mittellangem Haar sollte man zwei Packungen kaufen. Gels oder andere fettige Haarprodukte vor dem Färben auswaschen.

09. Oktober 2007 | Beat Camenzind


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Intensiv tönen ist kaum sanfter als färben
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