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Test | K-Tipp 7/2006

Rollenkoffer

Bei Rollenkoffern sind die Unterschiede von Preis und Qualität enorm. Im Test versagte der Reissverschluss des schlechtesten Modells schon nach 36-mal öffnen.

Rollenkoffer haben in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt. Während «normale» Koffer in den Läden immer seltener werden, verlassen in der Schweiz jährlich ungefähr 500 000 Käufer den Laden mit einem Trolley-Koffer im Schlepptau.

Die Preise der Modelle unterscheiden sich stark. Was haben die teuren mehr zu bieten als die günstigen? Kassensturz und K-Tipp haben fünf Koffer im französischen Prüfinstitut «Laboratoire de Trappes» einem Härtetest ausgesetzt.

Eingekauft wurden Rollenkoffer aus Stoff der Marken Colonial Travel, Delsey, Pack Easy, Titan und Samsonite. Der Rolls-Royce unter den getesteten Koffern stammt von Samsonite und kostet 229 Franken - der günstigste, der Titan Merik aus der Migros, gerade mal ein Drittel davon: 68 Franken.

Die fünf getesteten Trolleys waren alle im Format, das als Handgepäck ins Flugzeug mitgenommen werden kann - also ideal für Geschäftsreisen und Wochenend-Ausflüge.

Von den fünf Koffern überzeugten bloss zwei:
- Delsey Pin Up
Die Rollen waren nach dem 32-Kilometer-Marathon zwar etwas abgenutzt, aber kaum beschädigt und immer noch voll funktionstüchtig. Die Verstärkungsplatte war nach dem Falltest leicht deformiert. Die Reissverschluss-Prüfung führte zu geringfügiger Abnutzung ohne Funktionseinbussen. Griffe und Tragriemen überstanden alle Tests vollkommen unbeschadet.
- Samsonite Aileron Upright
Das Samsonite-Modell hat zwar neben ebenfalls tadellosem Griff und Riemen auch den besten Reissverschluss. Der Koffer überstand die 5000 Schliessvorgänge als Einziger ohne irgendwelche Abnützungserscheinungen. Die Schwächen dieses Trolleys liegen aber bei den Rollen: Die Laborverantwortlichen stellten die stärkste Abnützung aller getesteten Räder fest. Immerhin blieben sie funktionstüchtig. Beim Falltest verbog sich eine Verstärkungsplatte.

Ebenfalls nicht schlecht abgeschnitten hat Colonial Travel Space Ston. Dieses Modell verpasste das Gesamturteil «gut» nur knapp. Doch riss in der Reissverschluss-Prüfung die Naht zwischen Verschluss und Stoff. Die Naht des Traggriffs war nach dem Test ebenfalls leicht aufgerissen.


Gebraucht, aber funktionstüchtig

Auch der Falltest hinterliess seine Spuren: Der Schlitten des Reissverschlusses war gebrochen, an den Kunststoffverstärkungen am Boden des Koffers zeigten sich kleine Risse.

Der Falltest führte beim Migros-Koffer Titan Merik zu einer kleineren Beschädigung an der Naht, ein Stück des Zugbügels ging kaputt, und am Traggriff löste sich die Naht. Nach der wichtigen Reissverschlussprüfung zeigten sich Gebrauchsspuren, aber ohne Einschränkung der Funktion.

Diese Prüfung wurde dem Rollenkoffer Pack Easy Bali zum Verhängnis: Schon nach 36-mal öffnen ging der Reissverschluss kaputt, und der Koffer war damit nicht mehr zu gebrauchen: Gesamturteil «ungenügend». Geschäftsführer Rainer Klein von Pack Easy betont, dass es sich um einen Einzelfall handle. Innerhalb der Garantiezeit von 3 Jahren würden Schäden anstandslos repariert.



Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Die Qualität eines Koffers ist im Laden nur schlecht beurteilbar. Dennoch lässt sich mit sorgfältiger Auswahl ein Fehlkauf vermeiden.

- Rollenkoffer mit zwei Rädern (wie hier im Test) sind einfacher zu manövrieren als Trolleys mit vier Rädern.

- Koffer mit einer harten Schale schützen den Inhalt zwar besser, sind aber für sperrigen Inhalt unpraktisch. Zudem sind sie schwerer und haben keine Aussentaschen.

- Beim Kauf die Lauffreudigkeit der Rollen von Hand testen. Grössere und vom Koffer etwas abgesetzte Rollen bewähren sich auf unebenem Grund besser. Je weiter aussen sie angebracht sind, desto stabiler die Fahrt.

- Bügel im Laden einige Male aus- und einfahren. Ist er leichtgängig, kann man sich die Finger nicht einklemmen?

- Ist der Bügel lang genug? Stösst man mit den Fersen nicht an?

- Koffer mit Füsschen haben den Vorteil, dass sie auch auf nassem Boden problemlos abgestellt werden können. Mit der Wasserdichtigkeit der Koffer ist es nämlich nicht zum Besten bestellt.

- Beim Packen: Schweres nahe bei den Rollen platzieren. So lässt sich der Koffer besser manövrieren.

(rom)



So wurde getestet

Das französische Laboratoire de Trappes prüfte die Rollenkoffer nach internationalen Normen auf Schwachpunkte. Nach jeder Prüfung wurden die Schäden protokolliert.
- Rollentest: Die beladenen Koffer wurden über eine Strecke von 32 Kilometern auf unebenem Boden gezogen.
- Falltest: In einer Trommel mussten die beladenen Koffer 48 Würfe überstehen. Damit wurde die oft unsanfte Behandlung der Koffer bei Flugtransporten simuliert.
- Prüfung von Zugbügeln und Tragriemen: Der Koffer wurde im Labor am Bügel an einem Haken aufgehängt und befestigt. Mit einem Ruck wurde die Robustheit des Zugbügels geprüft.
- Test der Reissverschlüsse: Die Reissverschlüsse wurden 5000-mal geöffnet und wieder geschlossen.

(rom)



Archiv im Netz

Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.

05. April 2006 | Rolf Muntwyler - rolf.muntwyler@ktipp.ch


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